meine innere sicherheit

als hausfrau und bloggerin möchte ich mal sagen, dass die angst mein ständiger schreibschatten ist. ich finde es lächerlich, denn nichts was ich schreibe könnte auch nur in den ruch einer strafrechtlichen relevanz kommen, denke ich mir so. es ist lächerlich, weil ich so eine grundsätzlich harmlose person bin und tatsächlich meine tage im wesentlichen mit bloggen, brotbacken,lesen, plaudern und puzzlen verbringe. und es ist lächerlich, weil wir ja in einer demokratie mit meinungsfreiheit leben.
vor einer woche habe ich bei bildwechsel den film „focault in berlin“ von agnes handwerk gesehen. da wird foucault mit einem ost-west-polizei-vergleich zitiert und was mir im kopf blieb, ist, dass die polizei im westen ein szenario von angst produziert, damit sie als helfer auftreten kann. bei mir kommt nur angst an. in einem blog als medium der naivität, kann ich das ja mal so sagen.
mir hat das radikal-verfahren angst gemacht und das mg-verfahren. mir hat der wirbel um heiligendamm angst gemacht, mir machen die polizeifahrten, die momentan in hamburg so häufig zu sehen sind angst. angst macht mir, dass die gestrige recht auf stadt parade vom gericht so unglaublich im vorfelde kriminalisiert wurde und die aufzählung könnte noch weiter gehen.

zum radikal verfahren: für mich stellte sich das so dar: leute, schrieben in einer vollkommen marginalen, nahezu unwichtigen zeitung (schließlich hatte ich den namen vor dem verfahren nie gehört) wilde artikel und kamen dafür einfach in den knast. ein bauwagenplatz. wurde mit polizei umstellt, ein hubschrauber senkte sich nieder und holte den gefährlichen schreiberling. leute, die ich kannte und kenne, die wiederum freunde der schreiber waren, wurden ohne vorwarnung morgens um sechs durch polizei aus ihren betten geklingelt und dann bei der darauf folgenden razzia auf diese gefesselt. weil, sie mit schreibern befreundet waren und weil sie jura studierten. ich begriff das nicht und ich habe seither verdammt viel darüber geredet und begreife es in wirklichkeit bis jetzt nicht. als ich noch jünger war und in einer anti-apartheid-gruppe, da dachte ich so etwas passiert nur in fernen ländern, die nicht so sind, wie dieses hier. steven biko war mein held. entweder musste das land, in dem so etwas passierte räumlich weit weg sein, oder zeitlich denn sophie scholl war meine heldin.

zum mg-verfahren: die begründungen, warum die menschen, die schlußendlich mit einem verfahren überzogen worden sind sich diesem unterwerfen mussten und müssen, sind so vage wie das wort „gentrifizierung“ und so alltägliche dinge wie das zuhause lassen des mobilfunkgeräts, dass ich nun nicht weiß, wann ich mit welcher geste, welche rechtsnorm übertrete und weswegen man in den knast kommen kann. lasse ich mein handy zuhause? gehe ich in die rote flora auf eine politische veranstaltung? sage ich, dass m.E. auch die militanten teile der sozialen bewegungen der siebziger jahre wie bewegung 2ter juni, raf und die black panthers interessante analysepunkte für „recht auf stadt“ sein könnten?
die angst habe ich nicht nur beim blog-schreiben oder bei öffentlichen diskussionen, die angst habe ich schon, wenn ich in meiner wohnung mit meinen engsten freunden darüber rede. denn was einen die ganzen verfahren gelehrt haben, ist wie perfide tief die überwachung verdächtiger personen in den alltag derselben eingreift.
zu heiligendamm: da werden videokameras aufgebaut, die in die privaträume der menschen filmen, telefone abgehört, ganze postämter von der polizei besetzt um briefe zu lesen und so weiter und so fort. mir gruselts.

ich will so nicht leben, und ihr versteht diesen blogaufsatz ganz richtig als befreiungsversuch, bei dem ich die ketten schon laut in meinen ohren klirren höre. auch richtig lest ihr, dass ich die knüppelein und tränengasschüsse der polizei auf demostrationen hier gar nicht erwähnt habe bis jetzt, die erscheinen mir schon so normal, dass mir beim schreiben davon übel wird. plötzlich ziehen bilder durch meinen kopf, von dem journalisten, der im jolly rodgers sass und dann durch polizeiknüppeleinsatz einige zähne verlor. von dem menschen, der beim zweiten schanzenfest dieses jahr einen schädelbasisbruch durch einen polizeiknüppel erlitten hat und für den immer noch zeugen des vorfalls gesucht werden. von den alltäglichen kleinen bis größeren platzwunden meiner freunde nach demonstrationen. von kabelbindern, die tief in die haut schneiden.

noch nicht fertig gedacht, kommentare würden mich erfreuen
therese roth (weder verwandt noch verschwägert und auch nicht verheiratet)