aus frauenkneipe wird nasenbär: das fällt mir schwer

auf die nerven:

und direkt gegenüber, wo vorher der nasenbär war, findet sich jetzt mit „dickmamsell“ ein laden für schwangerschaftskleidung.
ich habe nun wirklich nichts gegen kinder und wenig gegen mütter, aber so eine harte gentrifizierunsgflankierung habe ich schon lange nicht mehr gesehen.

da, wo vorher ein innerstädtischen brachenraum war, mit der gefährlichen stresemannstr, die vor der verkehrsberuhigung, die durch jahrzehntelange anwohnerinnikämpfe erstritten wurde, eine der unfallträchtigstenstrassen der stadt war, ist jetzt eine flaniermeile für mütter mit geld im entstehen. mütter, die sich bewußt für ökokleidung interessieren und dafür ordentlich tief in die tasche greifen.

die frauenkneipe, so langweilig es doch auch dort oft war, war immerhin ein ort, an dem gesellschaftliche verhandlung möglich war. seit 1977 wurde dort jahrzehntelang über geld, sexuelle identifikation, klassenunterschieden und utopien gestritten,geredet und gelacht. dabei kamen teils desolate, teils skurrile kneipenabende heraus, mit deren nacherzählung sich abende füllen lassen.

bei nasenbär und dickmamsell hingegen ist alles klar: frauen,die dort verkehren, sind welche und meist sind sie mütter, sie sind es gerne, sie kaufen gerne für ihre kinder ein und alles ist toffte.
bäh.

solchen macht es wahrscheinlich auch nichts aus, ein bisschen mehr miete zu zahlen, wenn dafür endlich mal die strese ordentlich begrünt und noch mehr beruhigt wird. nicht, dass sich noch der feinstaub im schafffell niederlässt.


3 Antworten auf „aus frauenkneipe wird nasenbär: das fällt mir schwer“


  1. 1 ich 07. April 2010 um 15:57 Uhr

    Was soll denn daran bitte so schlimm sein? Man hat eher das Gefühl hier wird wirklich Alles in Gentrification-Ängste umgewandelt. Mal bitte wieder auf den Teppich kommen. Hier handelt es sich um einen kleinen Laden und keine große Kette. Ist doch schön, dass die Ecke endlich etwas belebt wird, nachdem die Frauenkneipe ja scheinbar Pleite gegangen ist. Leben ist nun mal auch Veränderung und nicht nur Stillstand. Ich glaube auch kaum, dass so ein Laden nun Symbol für die Gentrifikation ist. Das ist ein Kinder-Klamottenladen mit etwas höherem Niveau aber nun bitte auch nicht Blankeneese-like. This is life…

  2. 2 les_queer_fem 08. April 2010 um 9:26 Uhr

    mich hat’s mulmig hinterlassen und unzufrieden und frustriert, zu sehen, das dieser nasenbärladen in die ecke kommt. nicht, weil der laden ein symbol für gentrifizierung ist, sondern weil ich es – um es auf ein wort zu bringen – als lesbisch-queere feministin frustrierend finde. auch, wenn in den vergangenen jahren frauenräume nicht gerade überfüllte räume gewesen sind, finde ich doch das vorhandensein selbiger nach wie vor total sinnvoll. darum wäre ich erfreuter gewesen, hätte es eine art modernisierung der frauenkneipe gegeben, um sie von dem gefühlten 80erjahre charme ein wenig zu befreien. stattdessen einen mutterladen zu eröffnen, ist mir wirklich nichts.ist es doch meistens eben das einrichten in einem heteronormativen lebensgefüge. as hätte gut anders gelöst werden können.

  3. 3 hausfrau 08. April 2010 um 9:39 Uhr

    @ich
    also hier auf dem blog geht es ja nun wirklich um städtisches und dabei ist aufwertung tatsächlich ein großes thema. ich gebe dir recht, der laden kann da nichts für, wenn die mieten steigen. das kann er so wenig, wie der einzelne grundeigentümer, oder der privatinvestor, denn wie wir alle wissen, ist es nicht einfach sich zu ernähren.
    aber, eine städtische wohnungsbaugesellschaft wie die saga, der das gebäude mindestens über jahre gehörte, wenn nicht sogar noch gehört, benutzt vermietungspolitiken durchaus als mittel in der stadtentwicklung. dabei zeigt sich in den letzten jahren, dass es eine gewollte und bewusste politik ist, kleinfamilien in ehemals prekäre gegenden zu locken um diese aufzuwerten. das ist für diese seite der medalallie sicher widerrum auch ein recht zweckrationales mittel, steigen soch so die grundstückpreise und damit das eigenkapital und damit die gestaltungsfreiheit, aber für mich ist es frustierend und es bedarf m. E in einer Zeit, wo in den letzten fünf jahren die mieten auf st.pauli um 20% !!! gestiegen sind, anderer symbole

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