auftaktveranstaltung: music hall

ein kurzer erlebnisbericht noch ganz unter dem eindruck des ereignisses:
zunächst einmal: die aula war brechend voll, es standen sogar leute draussen im flur. geschätzt waren es auf jeden Fall über 200 menschen und die zahlen könnten bis 400 gehen. bei einer abstimmung stellte sich heraus, dass ca. zwei drittel der anwesenden dafür waren, stadtplanung in hamburg neu zu denken: kooperativ mit den anwohnerInnen, ergebnissoffen und auf jeden fall nicht von oben nach unten, egal wie nett die angebote zu den partizipationshäppchen auch klingen mögen.

während der sammlungsphase hängten anwohnerInnen alle fenster mit plakaten für eine direkte und konkrete bürgerbeteiligung voll und eine gruppe von leuten enterete die bühne hinter den sprechern die in einer art mulde sassen.
die gruppe hielt ein banner in die höhe, auf dem gut lesbar „die stadt gehört uns allen“ stand.

die politiker und experten waren offensichtlich weder in der lage mit soviel engagement seitens der bürgerInnen umzugehen, noch hatten sie technik oder rhetorik im griff. das war und das kann mit sicherheit behauptet werden eine suboptimale performance seitens der experten.

zunächste bekamen sie die mikrofone nicht an, dann als, die anwohnerInnen sich mittels eines megafons gehör für den vorschlag einer eigenen planungsphase schufen, versuchten sie mit dem eskalativen mittel der lautstärkeübersteuerung die redemacht zu erlangen. als ihnen das kurzfristig gelang erklangen sätze wie „nun, lassen sie uns doch unsere (sic) veranstaltung durchführen“; „jetzt lassen sie doch die experten (sic) mal reden“ und ähnliches mehr. die anwohnerInnen forderten dann zur obengenannten abstimmung auf, die eben jenes ergebniss erzielte. dann befestigten sie flipchartpapiere an den fenstern, verteilten eddings und begannen damit, ihre eigene planung zu inszenieren. eine der forderungen war und die wurde mit sehr viel verve vorgetragen: „wie möchten mehr zeit für die planung, denn wir sind keine experten und wir brauchen mehr zeit um uns das wissen anzueigenen“ wo sich der bezirksamtsleiter nicht entblödete in ein voll aufgedrehtes mikrofon zu schreien und die aufgebrachten bürger zu beschimpfen, wirkte die anwohnerInneninitiative häufig deeskalitiv und auf eine konstruktive planung bedacht.

meine empfehlung: stadtplanungscoaching für den bezirk und mindestens ein jahr rhetorik und führungsstilkurse, damit sie auch nur einer gruppe von interessierten und engagierten bürgern gegenüberstehen zu können, ohne peinlich zu sein. was man auch vom new management halten mag, aber spätenstens seit den neunzigern dürfte auch politikern mal klar sein, dass man mit einem autoritären „der kapitän bin ich und meuterei wird bestraft“ weder weit kommt noch der demokratie einen guten dienst erweist. denn mindestens heute hat man gesehen, dass bürgerbeteiligung kein weißer wal ist.


1 Antwort auf „auftaktveranstaltung: music hall“


  1. 1 Lernen von woanders: Planern das Handwerk legen « Auf zu neuen Ufern – Mediaspree entern! Pingback am 19. April 2010 um 17:16 Uhr
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