die saga und ihr umgang mit wohnungen: nüßlerkamp

in bramfeld gibt es eine straße mit den typischen hamburger terassenhäusern zweistöckige riegel, mit gärten dazwischen und in der nähe des bramfelder sees gelegen. anfang der neunziger wohnte eine freundin von mir in einer der wohnungen und so lernte ich die straße kennen. es gab legendäre strassenfeste mit auftritten von bands die dort wohnten, einer der mieter war künstler und machte laserinstallationen und man hatte ein wildes tolerantes leben in einer der versteckten ecken der stadt. unter der wohnung meiner freundin hielt sich eine frau mindestens zehn vögel, wobei zwei beos dabei waren und so klang das treppenhaus, wie eine tierhandlung. man sass viel draussen und plauderte mit den nachbarn und die kohleöfen verströmten in der wohnung eine wohlige wärme. die mieten waren günstig.
nun hat die saga seit 10 jahren nichts mehr an den wohnungen getan und sie dann verkauft. der neue inhaber lässt das ensemble komplett verfallen und übt sich in rabiater entmietung:
„„Donnerstag standen um acht Uhr morgens Handwerker mit Brechstangen im Hausflur und haben in allen leerstehenden Wohnungen die Türen und Zargen rausgerissen, ohne Vorwarnung“, sagt er.

War das schon der Beginn des Abrisses? „Nein, aber es hatten sich Fremde in den Wohnungen niedergelassen“, sagt Michael Sackermann (54), Sprecher von „Sahle Wohnen“. „Deshalb haben wir sie unbewohnbar gemacht.“

und das wo in hamburg der wohnraum immer knapper wird und kreativität doch angeblich gefördert werden soll.

mehr dazu kann man bei der webseite der bewohnerInnen des nüßlerkamps finden, denen von hier aus herzlichst solidarität zugegrüßt wird. auf der webseite findet man auch fotos, die einen angesichts des wohnungsmarkts in hamburg noch mehr mit dem kopf schütteln lassen.

da kann man doch nur noch hin zur guten nachricht des tages blicken:
der wirtschaftssenator gedaschko tritt neben ole von beust und karin von welck auch noch zurück. die politiker werfen also das handtuch und der weg wird frei gemacht für eine stadtpolitik von unten. jetzt schnell an die versammlungsorte und eigene pläne entwickeln. für eine räterepublik hamburg.


3 Antworten auf „die saga und ihr umgang mit wohnungen: nüßlerkamp“


  1. 1 Stromsau 24. Juli 2010 um 10:57 Uhr

    Ach Schaetzchen, wenn das mal nur kein Scherz wäre, dass auf das Abdanken eines Senators nicht bloß der nächste Senator folgte, sondern gleich die Stadt „von unten“, die sich dann friedlich und ungestört in Räten ihre Pläne macht.

  2. 2 schlaflos 29. Juli 2010 um 18:29 Uhr

    Alles schön und gut und auch im Ansatz richtge Argumente das individuelles Wohnen bezahlbar bleiben muss. Aber diese Gemeinschaft hat ein Eigenleben entwickelt ohne rücksicht auf ihre eigene Nacbarschaft. Wir sind berufstätig und lieben keine Partys die in der Woche draussen an grossen Lagerfeuern mit vielen Betrunkenen Personen bis in die frühen Morgenstunden stattfinden und uns nicht schlafen lassen . Auch die Künstler nahmen keine Rücksicht und sprayten Wochenlang die Häuserwände mit ihren Kunstwerken voll , sodass wir im Sommer wegen des chemischen Geruchs stundenlang bei bestem Sonnenschein unsere Gärten nicht nutzen konnten. diese Häuser sind auch , wer Bramfeld kennt , nicht erst seit 10 Jahren im Gespräch und sie waren immer ein Brennpunkt. Liebe Nüsslerkamper , es tut mir leid wenn Eure Gemenschaft en Ende findet , aber ihr habt Euch hemmungslos nur in Eurem Kreis ausgelebt ohne auf unser ( Eure Nachbarn ) zu achten , was uns viele Schlaflose Nächte , ärgerliche gestresste Sommertage und viele Polizeianrufe gekostet hat. Denkt in Eurer nächsten Kommune vielleicht auch mal an uns „normalos“. Danke !

  3. 3 Steff Schneider 04. August 2010 um 18:20 Uhr

    Sorry, ich lebe in keiner Kommune. Ich gehe morgens um 4:30 aus dem Haus, um zu arbeiten, wie die meisten meiner Nachbarn. Aber ich habe kein Problem damit, daß einige dies nicht tun müssen/können. Das sog. Eigenleben hat nicht die Mietergemeinschaft entwickelt, sondern ist dem jahrelangen Leerstand diverser Wohnungen geschuldet. Und auch die aufstrebenden Graffitykünstler, die sich hier ausprobiert haben, wohnen nicht hier. Vielleicht ist es meine Pflicht als wachsamer Nachbar solchem Treiben Einhalt zu gebieten, aber da ich mich bislang davon nicht gestört fühlte, habe ich Diese eben vernachlässigt. Gestört fühle ich mich eher von irgendwelchen Halbwüchsigen, die durch meinen Garten marodieren und meine Öllampen in den Gartenteich schmeißen, weil sie der Meinung sind, daß „Abschaum“ wie ich kein Recht auf Privatsphäre hat. Sollten die vielleicht ausnahmsweise mal auf ihre Eltern gehört haben ?

    Mit liebem Gruß
    Ein Normalo (Steuerklasse 1)

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