Kastanienallee bleibt – trotz geplanter Räumung. Vorerst.

Am Wochenende wurde über Indymedia die angekündigte und befürchtete Räumung von Teilen der Berliner Kastanienallee 86, des Umsonstladens im Sousterrain, verbreitet, die am gestrigen Dienstag stattfinden sollte:

Der Investor Brauner will den Umsonstladen in der Kastanienallee 86 räumen lassen. Vor sechs Jahren hat er das Haus gekauft, um sein Geld dort „arbeiten“ zu lassen. Das heißt: Aufhübschen und Aufmotzen des Gebäudes, Mieten rauf und die mittellosen Bewohner_innen gegen die neue zahlungswillige Designer-Szene austauschen. (…) Für Dienstag, den 31. August, morgens um 8 Uhr, hat sich jetzt der Gerichtsvollzieher angekündigt, um rauszuschmeißen, wen immer er im Laden antrifft.

Wer gestern Vormittag Berliner Radiosender und Verkehrsmeldungen hörte, bekam mit, dass es wegen eines Polizeieinsatzes in der Kastanienallee zu Verkehrsbehinderungen kam, der offensichtlich mehrere Stunden dauerte.
Seit gestern mittag konnten diejenigen, die morgens nicht vor Ort waren, den aktuellen Stand der Dinge lesen:

Heute früh wurden von ca. 150 Bullen und dem obligatorischen Gerichtsvollzieher der Umsonstladen in der Kastienallee geräumt. Die Bullen gingen hierbei in gewohnt unfreundlicher Manier gegen die Besetzer vor. Rund 50 Menschen bekundeten während der Räumung vor dem Haus ihre Solidarität. Mit dem Umsonstladen verschwindet ein weiterer unkommerzieller Freiraum von der Bildfläche.

Heute schlage ich nun die Berliner Zeitung auf und bin erfreut ob folgender Schlagzeile:

Bewohner und Politiker verhindern die Räumung des Umsonstladens. Jetzt soll verhandelt werden.

Ein Gerichtsvollzieher wollte für gestern offensichtlich schon zum dritten Mal einen Räumungstitel des Landgerichts für die Kastanienallee 86 durchsetzen. Verhindert wurde dies von

den besonneneren Hausbewohnern und Politikern wie Volker Ratzmann, Fraktionschef der Grünen im Abgeordnetenhaus, und dem Bundestagsabgeordneten Stefan Liebich (Linke) (…). Nach eindringlichen Gesprächen mit Eigentümer Brauner verhinderten sie eine Räumung mit Polizeigewalt. Den Laden sind die Bewohner trotzdem erstmal los.

Das Ergebnis: Der Umsonstladen wurde widerstandslos übergeben, die Schlösser wurden ausgetauscht, aber: andere Räume des Hauses waren nicht von der Räumung betroffen und es wird einen Runden Tisch geben, … Dass der Umsonstladen bereits aus der im vergangenen November geräumten Brunnenstraße 183 in die Kastanienallee umgezogen ist, liest man erst in einer der letzten Zeilen.