belgrad: was ist da passiert

erst mal ist es wohl als erfolg für die queere bewegung zu werten, dass bis jetzt keine berichte über queere verletzte nach den ausschreitungen bekannt wurden. zum ersten mal seit 2001 ist es also gelungen, eine gay-pride in belgrad durchzuführen und die queers konnten, so sah das auf einigen der fotos aus, abends auch noch unbehelligt ein party feieren. dazu, so seltsam das klingt nach den erschreckenden ereignissen, erst mal: herzlichen glückwunsch. beeindruckend wie mutig die aktivist*innen für das recht auf heterogene lebensformen auf die strasse gehen.

letztes jahr wurde der pride durch die polizei abgesagt, da sie sehr kurzfristig das gefühl hatte nicht für die sichherheit der teilnehmer*innen garantieren zu können.

diesesmal hat es geklappt. das ist immerhin etwas. aber die massen die samstag gegen die rechte von homosexuellen auf die strasse gegangen sind, und das ausmass der gewalt bei den angriffen auf die parade am sonntag sind hochgradig erschreckend und lösen zumindest bei mir eine art stummheit aus, der ich versuche mit diesem artikel zu entkommen. erstmal versuche ich die zahlen zu kontexutalisieren. wikipedia teilt mir mit, das belgrad 1, 2 millionen einwohnerInnen hat. das ist irgendwie beruhigend, macht es doch die 20.000 homophoben demonstranten nicht zu einem hohen prozentsatz der belgrader bevölkerung.

andererseits, habe ich bei dem videomaterial, dass ich mir gestern stundenlang ansah keine leute gesehen, die den rechten mob aufgehalten haben. auch liest sich nirgendwo etwas von gegensdemonstrationen gegen den aufmarsch der homophoben nationalisten. ungehindert konnten sie also die stadt zerlegen, ohne dass andere bewohner derselben viel dagegen getan haben.
das macht leider die zahl glaubhaft, dass zwei drittel der serbischen bevölkerung gegen homosexualität ist. das könnten sie ja ruhig sein, im sinne der meinungsfreiheit, aber sie sind es nicht nur, sondern sie lassen auch homophobe akte geschehen und eben diese ausschreitungen zu, die man gestern sehen konnte, es ist also agressive homophobie. das bringt mich auf das fassungsloseste level von argumentation: „aber homosexualität tut doch keinem was“ was verdammt noch mal spricht den gegen alternative lebensentwürfe. und es wirft die frage auf, wie stark das bild eines heterosexuellen lebensentwurfs mit nation verbunden ist. ist der kern der nation der heterosexuelle geschlechtsakt? manchmal mag man das fast glauben. mit dieser argumentation hier komme ich wohl auf keinen grünen zweig. es bleibt dabei, dass ich die aggression gegen homosexualität und heterogene lebensformen nicht verstehen kann und nicht weiß wie man machen kann, dass sie aufhört. falls jemand von euch erhellende analysen hat: bitte her damit.
the hausfrau