nextwilhelmsburg: netzfundstückchen

wes geistes kind next-hamburg ist liest sich aus folgendem netzzitat recht prima heraus. es grenzt schon an zynismus, einen bürgerdialog dann anzufangen, wenn der umbau vorbei ist um der stadt die kosten für den erhalt der umbauten zu sparen. so lesen wir das fundstückchen zumindest.

(….)Nextwilhelmsburg ist ein Bürgerdialog zur Frage, wie es nach 2013 auf den Elbinseln weitergehen soll.
Ziel des Bürgerdialogs ist eine Stadtvision, die von vielen Menschen getragen wird und vielleicht Grundlage für die Zeit nach 2013 sein kann.
Das ist der Ausgangspunkt:
IBA und igs werden 2013 vorbei sein – für manche zum Bedauern, für andere zum Glück.
In jedem Fall werden 2013 nicht alle Probleme und Hoffnungen gelöst oder erfüllt sein.
Soll nach 2013 wieder „Normalbetrieb“ einkehren? Oder soll der „Ausnahmezustand“ weitergehen?
Welche Orte brauchen weiterhin Veränderung? Welche sollten in Ruhe gelassen werden?
Welche von der IBA nur angerissenen Themen und Aufgaben sollten weiterverfolgt werden? Welche nicht? Und welche zusätzlich zur IBA-Agenda?
Und vor allem: wer kann die „Motorenrolle“ nach der IBA übernehmen? Ist das die Stunde des bürgeschaftlichen Engagements? Oder muss die Stadt weiter „ran“?
Durchgeführt wird Nextwilhelmsburg von Nexthamburg.
Nexthamburg ist Hamburgs Bürger-Stadt-Labor, seit 2009 aktiv. Wir führen halbjährliche Bürgerworkshops (Sessions) zu Fragen der Stadtentwicklung durch und organisieren einen dauerhaften Internetdialog. Unser Ziel ist es, abseits der „amtlichen“ Agenda eigene Impulse für die Stadtentwicklung zu setzen.
Wir sind 9 Gesellschafter (Planer und Medienexperten) und werden vom Bund im Rahmen des Programms „Nationale Stadtentwicklungspolitik“ gefördert. Wir haben vier Partner (HafenCity Universität, IBA Hamburg, Museum für Hamburgische Geschichte, World Future Council). Der Bund gibt etwa 50 Prozent der Mittel, die wir für die Durchführung von Nexthamburg brauchen, unsere Partner und wir jeweils etwa 25 Prozent. Seit Juni diesen Jahres ist zudem die BSU unser Partner, mit der wir im Rahmen von „Stadt im Dialog“ kooperieren.
Nextwilhelmsburg ist die erste lokal fokussierte „Ausgründung“ von Nexthamburg, die als Sonderformat zu 50 Prozent vom Bund, zu 50 Prozent von der IBA getragen wird. Das Interesse der IBA: der Frage, was 2013 passieren soll auf „neutralem Boden“ Raum zu geben. Unser Interesse (und das des Bundes): wir wollen sehen, ob unsere im allgemeinen Stadtkontext gut erprobten Instrumente auch bei einem bereits definierten Thema und im begrenzten lokalen Radius funktionieren – und wie man Zielgruppen ansprechen kann, die sich üblicherweise nicht an öffentlichen Dialogen beteiligen.
So wollen wir vorgehen: Wir wollen ab Ende Oktober mit einem allgemeinen Dialog starten (IBA Forum) und bis ins Frühjahr 2011 zwei bis drei aufsuchende Sessions mit speziell migrantischen Wilhelmsburgern und „alteingesessenen“ Bürgern machen, um diese in bisherigen Dialogen eher unterrepräsentierten Gruppen zu hören. Als Ergebnis des Nextwilhelmsburg-Dialogs soll ein „Zukunftsatlas“ stehen – eine Mischung aus Szenario und Agenda, die auf den Ergebnissen des Dialogs aufbaut und hoffentlich weiter fortgeschrieben und diskutiert wird.
(…)


5 Antworten auf „nextwilhelmsburg: netzfundstückchen“


  1. 1 Julian Petrin 13. Oktober 2010 um 19:53 Uhr

    „es grenzt schon an zynismus, einen bürgerdialog dann anzufangen, wenn der umbau vorbei ist um der stadt die kosten für den erhalt der umbauten zu sparen.“

    Der Bürgerdialog ist ernst gemeint. Und er kommt nicht zu spät. Denn unabhängig vom IBA-Geschehen stellt sich die Frage, wie die Zukunft der Elbinseln aussehen soll. Soll es weiter gehen mit dem „Umbau“? Oder soll wieder Ruhe einkehren? Welche Themen sind eigentlich liegen geblieben? Und vor allem: wer wird sich nach 2013 um die Elbinseln kümmern? Dieser ohnehin schon laufenden Diskussion wollen wir mit Nextwilhelmsburg breiteren Raum geben und dabei auch Leute erreichen, die bisher kaum mitreden. Ich weiß nicht, ob man das zynisch nennen muss.

    Übrigens: das zitierte Konzept stammt aus einer Mail an Zukunft Elbinseln e.V. Mailverkehr zu zitieren ist nicht gerade fein … aber sei’s drum.

  2. 2 strickliesel 13. Oktober 2010 um 22:37 Uhr

    Ich finde die Wortwahl der Nextwilhelmsburger sehr entlarvend. Dies wird auch in dem Kommentar von Julian Petrin noch mal deutlich. Von welcher Perspektive aus wird hier gesprochen, wenn er sich fragt, ob denn nun in Wilhelmsburg „wieder Ruhe einkehren“ soll? So als ob vor der IBA dort nichts dort war, ein weißer unbewohnter Fleck? Er redet immerhin von einem Stadtteil mit rund 50.000 BewohnerInnen. Die tauchen lediglich als „Zielgruppe“ auf, mit der man „Sessions“ macht, konkret: „mit speziell migrantischen Wilhelmsburgern und ,alteingesessenen‘ Bürgern“.

    Dann wird paternalistisch gefragt, wer sich denn bitte um die „Elbinseln nach 2013 kümmern wird“ und ob die „Stadt da weiter ran müsse“? Gipfel ist die Frage: „Soll nach 2013 wieder ,Normalbetrieb‘ einkehren? Oder soll der ,Ausnahmezustand‘ weitergehen?“ Wow! Befinden wir uns hier im Krieg oder haben wir es mit einem atomar verseuchten Gebiet zu tun! Aber so lange der „Ausnahmezustand“ (sprich aggressive Gentrifizierung) weiter geht, fließt das Geld schön weiter in so problematische Projekte wie nexthamburg, bzw. nextstadtteiltodiscover…

  3. 3 Julian Petrin 14. Oktober 2010 um 10:14 Uhr

    @strickliesel: Wir haben keine verdeckten Absichten, wollen auch nicht missionieren. Und sicher haben wir so manche sensible Stelle in der Debatte nicht „drauf“, wie man sieht, wollen aber lernen. Wir sind offen und hoffen auf Offenheit bei möglichst Vielen, auch denen, die sich schon seit langem engagieren.
    Ich denke, dass es kein Schaden sein wird, wenn wir Nextwilhelmsburg starten. Es soll ein weiterer Raum für Diskussionen und Ideen zur Zukunft Wilhelmsburgs sein, der versucht, die durchaus unterschiedlichen Positionen auf den Elbinseln sichtbar zu machen. Und es gibt doch sehr unterschiedliche Positionen zur Frage, wie viel Umbau die Elbinseln brauchen, oder? Das ist zumindest mein Eindruck.
    Wir würden uns jedenfalls freuen, wenn viele mitmachen und diesen Denkraum mitnutzen.
    Und ich bin offen für jede Diskussion über den Sinn und Unsinn weiterer Beteiligungsformen. Gerne auch im persönlichen Gespräch.

  4. 4 Administrator 14. Oktober 2010 um 10:30 Uhr

    lieber julian, interessant finde ich gerade den turn den du machst, extra hatten wir wegen der unfeinheit der nutzung von emails als nachricht alles hübsch anonymisiert und nun zeigst du gesicht. das ist einigermassen toll, hätte es nicht auch so einen leicht „geschulten“ charakter. ich kann mich des eindrucks nicht erwehren, dass du diverse „gesprächsführungs“-coachings hinter dich gebracht hast und weißt wie man echt sympathisch und offen wirkt. das macht mich mindestens leider etwas misstrauisch, da ich keine lust habe, ohne bezahlung, die argumentation von einem unternehmen wie deinem „besser“ zu machen, was ja unweigerlich geschieht, wenn wir genauso „offen“ reden. da haben wie also einn strukturelles machtverhälntnis hobbyblogger versus profikommunikator, was den von dir gewünschten austausch ein bisschen erschwert. kreative ideen dazu?

  5. 5 Julian Petrin 14. Oktober 2010 um 10:52 Uhr

    Spontan: Entweder Nexthamburg verzichtet auf die Fördermittel für den Wilhelmsburg-Dialog (schwierig, weil wir Drittkosten zum Beispiel für Programmierung und Workshop-Moderatoren haben), oder alle am Diskurs-Beteiligten bekommen etwas vom Kuchen ab. Dann wäre das Profi-Hobby-Gefälle (wer ist eigentlich Profi) im materiellen Sinne etwas behoben. Aber wen muss man dann berücksichtigen – alle, die etwas äußern, oder „nur“ die, die zum Beispiel eine aktive Moderatorenrolle übernehmen?
    Ich konnte leider bisher nicht genau herausfinden, mit wen ich hier spreche, deshalb nur so viel: Ich bin gerne bereit, mal für ein Gespräch rumzukommen. Weiteres vielleicht über Mail?
    Übrigens: keine Coachings. Vielleicht die naive Idee, dass man mit Offenheit besser ins Gespräch kommt.

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