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„2013 würde Marseille Kulturhauptstadt Europas werden. Man versprach sich viel davon. Bella dachte an das alte Hafengebäude am Quai de la Joliette, in dem sie vor ein paar Tagen gewesen war: viele schicke Restaurants und die meisten leer. In allen großen Städten waren Intellektuelle, Stadtplaner, Restaurantbesitzer, Architekten, Geldleute dabei, die Spuren der Industriearbeit zu beseitigen. Leerstehende Gebäude nutzten sie nach ihrem Geschmack. Manchmal, sehr selten, ging so etwas gut. Ein ausreichend mit Geld versorgter Mittelstand ohne eigene Phantasie nahm dann die neuen Unterhaltungsangebote entzückt an. Für die einfachen LEute, die es ja immer noch gab, deren Arbeit nur nicht mehr gebraucht wurde, war sehr selten etwas dabei“

Tod in Marseille; Doris Gercke; Hoffmann und Campe 2010; Seite 189
_ aus der Bücherhalle geliehen _

In dem Krimi trifft Bella Block in Marseille unter anderem auf Nini,eine ehemalige Zigarettenfabrikarbeiterin, die nach 60 Jahren Exil auf la Gomera zurück nach Marseille kommt und ihre alte Nachbarschaft genauso wenig wiedererkennt wie den Rest der Stadt. Bella hingegen ist aus Hamburg nach Marseille gefahren um sich nicht komplett der Melancholie hinzugeben, die im Roman bei Spaziergängen durch das Gänge, Portugiesen- und Karolinenviertel illustriert wird, nicht ohne die stadtsoziologischen Veränderungen in Hamburg zu beschreiben.