Eindrücke „Gefahrenzone“ – 30. April, Hamburg

ein langjähriger anwohner kommentierte den gestrigen abend wie folgt:

also, wir haben jetzt auch kein vollständiges Bild von gestern abend…sondern nur sagen wir mal „generationsübergreifende Eindrücke“
über das, was gestern so als „Gefahrenzone“ realisiert wurde.
Es wurde nämlich scheinbar flächendeckend ein Großteil des Besucherstroms der Walpurgisnacht aus der „Gefahrenzone“ rausgehalten. Anders als bei vergleichbaren Ereignissen waren die großen Einfallstraße über Stunden gesperrt (nicht nur „situationsbezogen“). Außerdem gab es sehr weiträumig angesetzte Polizeisperren auch für Fußgänger, die zwar durchlässig waren, aber gleichwohl den Massen der „normalen“ BesucherInnen Angst gemacht haben dürften. Und die U3 war zusätzlich gesperrt wegen Bauarbeiten.

Viele Stadtteilbewohner mussten ihr Auto nach dem Samstagausflug außerhalb der „Gefahrenzone“ abparken und zu Fuß nach hause. Wir trafen auch Niendorfer, die orientierungslos den Kiez suchten, weil sich noch nicht einmal ein Taxi am Schlump finden ließ. Viele große „Tanz in den Mai“ – Partys im Stadtteil wurden wegen „nicht erreichbar“ schlicht kurzfristig abgesagt. Getränkelieferanten wurden auch nicht durchgelassen…usw. In der Bernstorffstraße und selbst auf der Schanze fiel der übliche Wochenend – Trubel jedenfalls aus. Es war eher wie an einem Sonntagabend.

Hinzu kam, dass an jeder Ecke (bei uns im 100m – Abstand) Polizei mit ca. 15 Leuten / 2 Wannen stand – gespenstisch.
Und die Polizei hatte wohl auch das bekommen, was eigentliches Ziel der Gefahrenzone gewesen sein dürfte: Sie waren mit den meist jugendlichen Protestlern mehr oder weniger alleine auf der Straße. Statt unübersichtlicher Lage mit kaum voneinander zu unterscheidenden Partygängern und linken Aktionsgruppen.
Auch keineswegs linke AnwohnerInnen haben diese Komplettabsperrung als vollkommen unangemessen empfunden. Erstaunlich, dass in den Medien online dazu nichts kommt.
Und man fragt sich natürlich auch: Wird jetzt der Stadtteil bei jeder Demo / Schanzenfest derart abgeriegelt, dass die meisten nicht mehr reinkommen? Ist das das neue Einsatzkonzept aus der nunmehr SPD – geführten Innenbehörde? Wird die Stadt dann jetzt demnächst immer verboten / abgeriegelt, während wir für „Recht auf Stadt“ demonstrieren?
Wer hat andere / ergänzende Eindrücke?