KunstKiller: Das Symposium „Die Kunst der Intervention“

Die Bundeswehr bedient sich wie jede Armee eines riesigen PR-Apparats, der zeigen soll, wie zivil & zivilisiert man doch sei, eben ein ganz normaler Arbeitgeber. Das bißchen Krieg hier & dort heißt verharmlosend Intervention, und was da nun in Hamburg von der HfBK unter dem Stichwort „Intervention“ zu einem Symposium zusammengerührt wird, hat es in sich: „Das Konzept der ,Intervention‘ wird gegenwärtig in unterschiedlichen Gesellschaftsbereichen diskutiert. Ob als militärische, politische oder künstlerische Intervention, stets soll aktives Eingreifen soziale Wirklichkeit verändern – und zwar möglichst zum Besseren, wie auch immer dies definiert und normativ begründet ist.“

Ob Demo, Kunstperformance oder militärischer Einsatz – alles steht also gleichberechtigt nebeneinander im Dienst der guten Sache. Den Veranstaltern geht es darum, „innovativen Dialog zwischen Gesellschaftsbereichen zu bieten, die in der Regel wenig Austausch pflegen“. Und so trifft Hans-Werner Fritz, Kommandeur der Division Spezielle Operation (DSO), bis Februar 2011 Regionalkommandeur Nord der „friedenserzwingenden ISAF“ in Afghanistan, z.B. auf Torsten Michaelsen von der Künstlergruppe LIGNA (Hamburg) sowie auf Wolfgang Zinggl & Martina Reuter von Wochenklausur (Wien). Am 15. Juni plaudert man in lockerer Atmosphäre über die verschiedene Praxen der Intervention, die doch alle nur auf ihre besondere Art die Welt ein Stückchen besser machen wollen.

Die DSO ist dabei keineswegs eine konsensschaffende Kuscheleinheit der Bundeswehr, sondern der ausführende militärische Arm der Kriegseinsätze. Ein Teil der DSO ist das so genannte Kommando Spezialkräfte (KSK), eine Eliteeinheit von Kampfsoldaten, die im Geheimen agiert und darauf spezialisiert ist, so die offizielle Arbeitsplatzbeschreibung, „in der Tiefe des feindlichen Raumes agieren können“.

Der Begriff „Out of Area“ bekommt hier eine neue Aufladung, wenn ich mir vor diesem Hintergrund die Selbstbeschreibung der beiden am Symposium beteiligten Kunstgruppen durchlese:
WOCHENKLAUSUR: „Seit 1993 entwickelt die Gruppe kleine, aber sehr konkrete Vorschläge zur Verringerung gesellschaftspolitischer Defizite und setzt diese Vorschläge auch um. Künstlerische Gestaltung wird dabei nicht mehr als formaler Akt sondern als Eingriff in unsere Gesellschaft gesehen.“
LIGNA: „Allen Arbeiten von LIGNA ist gemein, dass sie ihr Publikum als zerstreutes Kollektiv von ProduzentInnen begreifen. In temporären Assoziationen kann es unvorhersehbare, unkontrollierbare Effekte hervorbringen, die die Ordnung eines Raumes herausfordern.“

Rette sich wer kann: Kunst & Militär im innovativen, interdisziplinären Anmarsch: Mittwoch, 15. Juni 2011, KörberForum Kehrwieder 12 in Hamburg.


3 Antworten auf „KunstKiller: Das Symposium „Die Kunst der Intervention““


  1. 1 Administrator 13. Juni 2011 um 17:59 Uhr

    BUNDESWEHR RAUS AUS SCHULEN UND HOCHSCHULEN!
    >> Intervention gegen die Kunst der Intervention!
    >>
    >> Eine klare Absage an die Organisator_innen des Symposium „Die Kunst der
    >> Intervention. Gesellschaftliche Eingriffe von Kunst, Politik und
    >> Militär“ Dr. Berit Bliesemann de Guevara von der Bundeswehr Uni sowie
    >> Prof. Dr. Friedrich von Borries von der HFBK, den auf dem von der HfbK
    >> und der Körber-Stiftung unterstützen Symposium
    >> referierendenDivisionskommandeur Hans-Werner Fritz und das Symposium
    >> selbst!
    >> Wir zitieren die Ankündigung des Symposiums um zu zeigen worum es hier
    >> geht, denn mehr braucht es nicht als diese Beschreibung, um zu
    >> verstehen, was hier verbunden werden soll.
    >>
    >> „Das Konzept der »Intervention« wird gegenwärtig in unterschiedlichen
    >> Gesellschaftsbereichen diskutiert. Ob als militärische, politische oder
    >> künstlerische Intervention, stets soll aktives Eingreifen soziale
    >> Wirklichkeit verändern – und zwar möglichst zum Besseren, wie auch immer
    >> dies definiert und normativ begründet ist. Doch welche Möglichkeiten zur
    >> Veränderung sozialer Kontexte gibt es überhaupt? Welche tatsächlichen
    >> Auswirkungen und (un-)intendierten Folgen haben Interventionen? Und
    >> unter welchen Bedingungen sind solche Eingriffe wünschenswert und
    >> legitim?
    >>
    >> Diese Fragen sollen im Rahmen des Symposiums »Die Kunst der
    >> Intervention« von Wissenschaftlern und Praktikern aus Kunst, Politik und
    >> Militär diskutiert werden. Ziel der Veranstaltung ist es, durch
    >> interdisziplinären Gedanken- und Erfahrungsaustausch zu einem
    >> erweiterten Verständnis von Interventionen beizutragen, alternative
    >> Perspektiven für den kritischen Umgang mit Interventionen und ihren
    >> Folgen zu eröffnen und Raum für einen innovativen Dialog zwischen
    >> Gesellschaftsbereichen zu bieten, die in der Regel wenig Austausch
    >> pflegen.“
    >>
    >> Ein interessantes Verständnis von Kunst ist das wenn Gedanken zu
    >> politischen Interventionsmöglichkeiten von Kunst missbraucht werden
    >> sollen um militärische Interventionen zu rechtfertigen.
    >>
    >> Das sich so viele Leute aus dem Hochschul- und Kulturbereich mit
    >> Militarist_innen an einen Tisch setzen, wie durch die Ankündigung
    >> ersichtlich ist erschreckend.
    >>
    >> Wir fordern alle bisher angekündigten Referent_innen des Symposiums auf,
    >> ihre Teilnahmen abzusagen!
    >> Wir fordern alle am Inhalt des Symposiums Interessierten auf dieses zu
    >> boykottieren und dagegen zu protestieren!
    >>
    >> Kommt zahlreich am 15. Juni 2011 um 10.00h in die Kehrwieder 12 und
    >> stürmt das Symposium!
    >>
    >> BUNDESWEHR RAUS AUS SCHULEN UND HOCHSCHULEN!
    >>
    >> AStA HfbK

  2. 2 strickliesel 14. Juni 2011 um 17:07 Uhr

    Hier die Stellungnahme zum Symposium „Kunst der Intervention“ von den Studierenden der HfbK und ex-HWP vom 14.06.2011:
    http://de.indymedia.org/2011/06/309722.shtml

  3. 3 Beobachter_in 15. Juni 2011 um 15:48 Uhr

    Schwabinggradballett war heute bis 10:15h da und forderte die Referent_innen auf das Podium zu verlassen. Auch ein Streifenwagen wurde gesichtet. Video und Foto hier:
    http://www.facebook.com/pages/SchwabinggradBallett/270858082609

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