Zurück zum Salon

Die taz hat am Mittwoch drüber berichtet, die Mopo einen Tag später unter der Überschrift „Klassenkampf im Pudelclub“, ich bin also für ’nen Blog hoffnungslos zu spät… Dennoch hier die News: Der Pudelclub und der Salon haben sich getrennt. Endgültig. Tischtuch zerschnitten. Tapete ab! Ich hänge meiner Trauer nach und denke an die vielen Nachmittage, die ich im Salon verbracht habe. Draußen Nieselregen, drinnen Rumlümmeln auf Eckbänken mit Kissen im Rücken. Tee trinken oder Kaffee oder auch mal Nichts. Warten. Sich Unterhalten. Schiffe gucken. Im Archiv stöbern. Tapete gucken: Ob sich Rosa Luxemburg, Romy Schneider und Simone de Beauvoir verstanden hätten? Oder Marx mit Muhammad Ali? Abends dann der Übergang – gedämmtes Licht und gedrängte Konzerte vor krasser Kahn- und Krankulisse.

Vor einer Woche hat nun eine neue Geschäftsführerin mit altem Besitzer einen Laden eröffnet, der vor allem Restaurant sein will. Auch wenn Richter in der taz beteuert: „Wir wollen hier weiter einen skurrilen, komischen Ort. Einen Ort der Gegenkultur und Kunst“, viel interessanter ist das, was hinzugefügt ist: „Der aber müsse sich rechnen, was er zuletzt nicht getan habe“. Darin liegt der unüberbrückbare Widerspruch: Das Sich-Rechnen-Müssen, Umsatz machen, Mehrwert schaffen, eben ein ganz normaler kapitalistischer Betrieb sein wollen.

Und das ist neu, denn rechnen musste sich der Salon bisher nicht, sondern er wurde über die biertrinkenden Nachtschwärmenden aus dem Untergeschoss mitgerechnet. Das Problem liegt hier aber tiefer und zwar in den Besitzverhältnissen, die eben keine kollektiven sind. Da beißt die Maus keinen Faden ab: Der Pudel ist ein privatwirtschaftliches Unternehmen von zwei Kumpeln, die damals den Laden gekauft und sich nun über die Ausrichtung des komischen Ortes zerstritten haben.

Zurück zum Salon kann also nur heißen: Hin zur Genossenschaft. Alles andere wäre Fassadenmalerei.


2 Antworten auf „Zurück zum Salon“


  1. 1 Administrator 19. Juni 2011 um 12:35 Uhr

    Die Frage ist ja auch: Wollte man je einen „skurillen komischen Ort“ ich wollte das nie. Der Pudel, das Karmers, das Kaspers, das Störtebecker sind für mich auch nie skurill oder komisch gewesen sondern Ausdruck von einer Kultur, in der ich mich weder einsam fühle noch langweile. Es sind für mich schöne und liebevoll gestaltete Orte, an denen Witz ein Mittel der Kommunikation ist und zeigt,dass es mehr gibt, als die Logik der Geradlinigkeit. Ich werde nie in das Restaurant gehen und ich hoffe der Pudelsclub macht laute Musik gegen müssig Speisende.

  2. 2 ca 20. Juni 2011 um 11:04 Uhr

    Ich hatte mich letztens schon gewundert, als dort plötzlich Aktivitäten ausbrachen, also da rumgeräumt wurde. Und dann fiel mir auf, dass wer fehlte. Was ist mit den Menschen (oder war es nur einer), die nebenan unter der Brücke gewohnt hatten. Ja, hatten, denn die scheinen bereits die ersten Vertreibungsopfer des „neuen“ Pudels zu sein. Der Bereich unter der Brücke ist blankgeputzt und frei. Weiß wer mehr darüber, hat was mitbekommen? Wie ist das passiert? Wurde selbst Hand angelegt oder an die Staatsmacht deligiert? Und dann kommt natürlich die Frage auf, wer sind die nächsten?

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