Eins auf den Deckel bekommen

Was den Schreberspacken, den KleingärtnerInnen in Altona und Bahrenfeld, da zugespielt wurde, ist ein echter Hammer. Die BSU hat eine bekannte PR-Agentur beauftragt, ein Gutachten zu erstellen, wie sie die Erweiterung und Deckelung der A7 am besten gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern durchdrücken können. Es wird munter manipuliert, halb- und gegeninformiert, damit alle schön brav die mit dem Megaprojekt verbundenen Kröten (jahrelanger Dauerstau, Zerstörung von Grünflächen, Kostenexplosion, Mietsteigerungen) schlucken. Dafür werden alle Register gezogen. In Kindergärten sollen Kinder bunte Bilder zum Thema „Autobahn unter dem Deckel“ malen. Diese sollen dann im Krisenfall dazu verwendet werden, „die Aufregung herunter zu kochen“.

Meine „Lieblingsmaßnahme“ ist folgende: „Die BSU verschickt an Anwohner rund um die Autobahn (alle, die laut Immissionsstudie profitieren) eine gestaltete Postkarte / Brief mit angehängten / beiliegenden Ohropax. Die Botschaft lautet, dass die kommenden Lärmschutzmaßnahmen eine grundlegende Aufwertung der Lebensqualität bedeuten – das beiliegende Ohropax verdeutlicht dies und macht den Nutzen der Deckel erlebbar. Zielgruppe: Anwohner an und um die Autobahn (je nach prognostiziertem Baulärm nicht an die Anwohner direkt an die Autobahn, die den Versand von Ohropax als zynisch empfinden könnten)

Ein Großteil der Empfehlungen widmen sich dem „Kommunikativen Ansatz“, also dem Problem, wie man Presse und Öffentlichkeit möglichst gut eindeckelt. Da fließt jede Menge Geld in Broschüren, Newsletter und persönliche Journalisten-Schulungen fürs richtige Berichten. An die KriterInnen wird natürlich auch gedacht. Sie werden überwacht, ein wenig gehätschelt, um sie dann noch konsequenter als Deppen auflaufen lassen zu können. Schließlich heißt dieser Punkt nicht umsonst: „Symbolik“: Es verändert sich durch Kritik nix, aber wir tun mal so und am Ende gibt’s ne schöne Dokumentation! Im Speech der Pr-Agentur: „Die BSU muss sich offen gegenüber Bürgerinitiativen und Kleingärtnern zeigen, deren Kritik aufnehmen sowie weitere Multiplikatoren frühzeitig einbinden und informieren, damit nie der Eindruck entsteht, dass Bürger ignoriert und übergangen werden. Dies muss öffentlich dokumentiert werden und sollte weit über die gesetzlich vorgeschriebenen Beteiligungsverfahren hinausgehen“.

Als notorische KritikerInnen und unbelehr- bzw. unmanipulierbar gelten die Recht-auf-Stadt-Initiativen, die nun unter besonderer Beobachtung stehen: „Kritische Initiativen wie Recht auf Stadt (bzw. die unter dieser Plattform agierenden Gruppierungen) positionieren sich eher als Fundamental-Opposition. Kooperationen erscheinen nicht möglich. Dennoch können diese Initiativen durch ihre Vernetzung, ihre plakative Ausdrucksweise gegenüber der Presse sowie ihren Zugang zu kritischeren Medien ein Risiko darstellen. Aus diesem Grund sollten Äußerungen oder Veranstaltungen weiterhin beobachtet werden. Bei einer möglichen medialen Berücksichtigung sollte dann über proaktive Pressearbeit reagiert werden.“ Und zudem müsste man diesen Initiativen doch mal eine gehörige Portion Ohropax ins Kritkermaul stopfen…

Dies ist nur ein kleiner Vorgeschmack. Vielen Dank an die chronisch weiter bohrenden Schreberspacken für die Bereitstellung der aufschlussreichen Informationen, die ich (obwohl es mir in den Fingern juckt) nicht noch weiter kommentiere. Ich vertraue auf mündige Lesende und jede/r kann sich selbst ein Bild machen über die neue Strategien zur Durchsetzung von umstrittenen städtischen Großprojekten: http://is.gd/4RMYHB


1 Antwort auf „Eins auf den Deckel bekommen“


  1. 1 kabelsalat 03. August 2011 um 10:06 Uhr

    ich freue mich immer wieder, wenn man mitbekommt, wie sehr öffentlicher protest auf die politik wirkt. glanzmomente, dafür kann man recht auf stadt und die schreberspacken beglückwünschen. immerhin können die projekte nicht „einfach durchgezogen“ werden.

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