St-Pauli Würfel: Ein Räumung schwebt weiter durch die Luft

Dienstag 23 August.
Um 12 Uhr begann die Pressekonferenz der Initiative „Unser Arreal“ .
Rund 30 Leute versammelten sich bei den Planungswürfeln die nun seit letztem Freitag auf der Brachfläche vor dem ehemaligen Supermarkt stehen und einen bürgernahen Dialog ermöglichen sollen. Da standen StadtplanerInnen und Kaufleute, StatistikerInnen, Hartz IV EmpfängerInnen und Schreibende, HandwerkerInnen, KünstlerInnen und BäckerreifachverkäuferInnen, fast alle über 30 und in der Lage ihre Wünsche in Bezugnahme auf die städtischen Politiken und Realitäten flüssig und gelassen zu formulieren. Wünsche, von denen die Stadt in ihrer Broschüren und Projektbeschreibungen sagt, dass sie sie jederzeit gerne hören würde.
Die Würfel für eine offene Planung sind aber kein Projekt des Senats, um endlich mal den Kriterien moderner Stadtplanung zu entsprechen und ihre BürgerInnen und WählerInnen ernst zu nehmen, sondern ein Geschenk von St.PaulianerInnen und GängerviertlerInnen an Hamburgs BürgerInnen und ihre gewählten RepräsentantInnen.

Hier könnte sie stattfinden die Partizipation. Die Stadtplanung der Zukunft in der die Wähler wenigstens als „aktive Konsumenten“ städtischer Politik ernst genommen werden. Hier könnte ein politischer Aushandlungsprozess Raum fassen und eine Stadt könnte sich ganz ohne Internationale Baustellung aus den eigenen Ressourcen heraus neu erfinden. Jubeln nun die Behörden? Freuen sie sich über das Engagement der Menschen für ihre Viertel? Sind sie begeistert darüber endlich mal die „Bürgerbeteiligung“ zu erleben zu der sie so gerne einladen? Glücklich mit den hübschen Pflanzen und den temporären Bauten?

Nein, sie wollen die Würfel räumen lassen, wissen nur noch nicht genau wie. Also versuchen sie es mit Aussagen wie „Die Pächter möchten das nicht“.
Die Pächter, das ist eine Securityfirma die auf Nachfrage durch die Initiative sagte, dass sie gar nichts gegen die Würfel hätte. Die fänden sie sogar ganz gut. Die wollen also nicht räumen lassen. Wer ist es dann, der räumen lassen will ? Gestern schrieben wir noch die Finanzbehörde. Eben allerdings wurde erzählt, dass ein Sprecher der Finanzbehörde davon nichts gewusst haben wollte, es aber auch nicht dementieren möchte.
Gehen wir das Ganze mal durch:
Das Grundstück gehört dem Land Hamburg. Die Sprinkenhof AG verwaltet es. Die Securityfirma pachtet es.
Die Bauplanung liegt in den Händen des Bezirks und damit in der Verantwortung von Hansaplatz-Schreiber, dem Bezirksbürgermeister von Mitte. Wenn der Standort Bedeutung für die ganze Stadt hat, also das Bundesland Hamburg hat, dann ist der Bezirk aber raus aus der Planungsvollmacht.
Soweit so kompliziert. Irgendeine dieser Stellen möchten nun, dass Anwohner nicht selbstätig und derzeit noch unbezahlt ihr Engagement einbringen. Und die hat jemandem von der Inititative gesagt, dass sie mit einer Räumung rechnen müssen. Aber auf konkrete Nachfragen hin, möchte niemand das in den Raum gestellt haben.

Egal die Presskonferenz war jedenfalls sehr nett gemacht. Die Reden kurz und informativ, die Getränke gekühlt die Schnittchen vom Bäcker. Die Pflanzen aus der Keimzelle machten einen robusten Eindruck und die Interessierten auch.

Was wir nicht so richtig verstehen ist, warum man aus städtischer Perspektive was gegen diese Bauten haben könnte und warum die nicht einfach da stehen bleiben können. Sie sind ja keine Millionenverschlingende Maschine wie Elbphilharmonie und keine optische Belästigung wie die doofen tanzenden Türme, die ihren äesthtischen Müll über die angrenzden Viertel verteilen. In letztere kommen Büros rein, die keiner braucht weil über eine Millionen Quadrameter Büroräume in Hamburg leerstehen. Und da kommen Luxuswohnungen rein, die keiner wirklich braucht, dafür hat man doch eigentlich die Walddörfer und Blankenese ersteres mit viel Grün und Exklusivität letzteres mit Elbblick, viel Grün und vielen Touristen. Beide Viertel haben noch den enormen Vorteil, dass man dort die tanzenden Türme nicht sehen muss. Elbphilharmonie und tanzende Türme sind doch deutliche Belege dafür, dass die gewählten Vertreter der BürgerInnen Hamburgs es irgendwie nicht so richtig hinkriegen weder mit der Planung, noch mit der Beteiligung noch mit der Finanzierung. Auch die IBA mit der so geglänzt wird, schafft es nicht einmal all ihre Bauprojekte durchzuziehen.

Wir finden die Stadt könnte sich mal ordentlich darüber freuen, wenn BürgerInnen ihr helfen wollen. Vor allem wo zu erstens die Wohnungspreise in den letzten 10 Jahren auf St.Pauli 15 mal schneller gestiegen sind als im Rest der Stadt und zu befürchten steht, dass ab 2013 auch das an das Areal angrenzende Karolinenviertel massiv aufgewertet wird, wenn die Treuhandverträge zwischen Stadt und Sanierungsgesellschaft ausgelaufen sind. Also fordern wir: Die Würfel bleiben und die AktivistInnnen bekommen städtische Gelder für den Planungsprozess und die Beauftragung von ArchitektInnen und StadtplanerInnen.


4 Antworten auf „St-Pauli Würfel: Ein Räumung schwebt weiter durch die Luft“


  1. 1 fan 24. August 2011 um 13:55 Uhr

    Es bleibt spannend. Was wird zuerst fertig? Die Elphilarmonie, das Wahrzeichen Hamburgs oder das Ryugyong Hotel, das Wahrzeichen Pjöngjangs? http://en.wikipedia.org/wiki/Ryugyong_Hotel

  2. 2 Administrator 24. August 2011 um 14:00 Uhr

    das hotel sieht auf jeden fall mehr nach nem richtigen wahrzeichen aus. und sie tun nicht so, als gäbe es bürgerbeteiligung.

  3. 3 Nils 25. August 2011 um 12:43 Uhr

    Naja vielleicht übernimmt man bei uns ja das Konzept der Bürgerbeteiligung aus Nordkorea (Zwangsarbeit)…

  4. 4 Administrator 25. August 2011 um 19:25 Uhr

    okay, das scheint auch noch nicht das gesellschaftsmodell der emanzipierten wahl. nehmen wir vielleicht island? die haben ihre konzerthalle auch schon fertig
    http://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Konzerthalle_von_Henning_Larsen_fertig_1639019.html

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