das „lietuva“ und das pro-test lab in vilnius – für den erhalt öffentlicher räume!

seit ca. 6 jahren versucht eine gruppe junger leute, künstler_innen und aktivist_innen, das letzte kommunale kino in der altstadt von vilnius, der hauptstadt litauens, zu erhalten (fotos). die gruppe, die mit vielfältigen, öffentlichkeits- und medienwirksamen aktionen den abriss des kinos mit dem namen “lietuva” zu verhindern versucht, agiert unter dem namen “pro-test lab” und protestiert ür die erhaltung öffentlicher räume in der stadt. begonnen hat das ganze schon vor längerer zeit: bis 1989, der zeit der sowjetregierung, spielten kinos eine bedeutsame im kulturellen leben. so gab es auch in vilnius zu der zeit eine große anzahl kommunaler kinos inmitten der innenstadt. das kulturelle leben wurde von staatlicher seite finanziell stark unterstützt und kinos waren regelmäßiger treffpunkt der bevölkerung. mit der unabhängigkeit litauens hat sich die kinolandschaft von vilnius dahingehend entwickelt, dass ein kino nach dem nächsten abgerissen wurde, um platz zu machen für shopping malls und loftwohnungen. dazu geführt hat das interesse der regierung, eine innenstadt zu schaffen, die im ranking der europäischen großstädte auf einen besseren platz hofft. ein schritt dorthin war die privatisierung der kommunalen kinos: investoren kauften die wertvollen grundstücke in innerstädtischen lagen, rissen die kinos ab und bauten neu.
so ist das “lietuva” mittlerweile das letzte der einst über 20 kommunalen kinos in der altstadt von vilnius, das noch steht – wenngleich es seit mehreren jahren nicht mehr bespielt wird. aber das ist eine andere geschichte. in einem interview gab einer der mitbegünder des pro-test lab auskunft über die bedeutung des namens des kinos: lietuva heißt übersetzt litauen. aufrund des namens war das kino auch während der regierung der udssr ein kino, dessen name darauf verwies, dass das land zuvor litauen hieß. die frage “treffen wir uns im lietuva” war somit eine referenz auf das eigene historische bewusstsein und somit war es immer auch ein politischer akt, zu sagen, “lass’ uns in lietuva treffen”.

derzeit gibt es einen prozess gegen einzelne aktivist_innen, da der investor gegen das pro-test lab geklagt hatte, weil, ihm zufolge, der protest eine wertminderung des objekts bzw. des grundstücks nach sich gezogen habe.

*** wir werden hierüber an anderer stelle weiter berichten. ***

jetzt schon – zum weiterlesen:
Art against privatization of the public space in Vilnius
und
Querying the memory of place by making sense of the pro-test lab in Vilnius