PSDS – Pauli sucht die Superbezirksamtsleitung

nach dem bike-flash, jetzt die suche nach einer bezirksamtsleitung.
hoffe wir mal, dass die jury nicht zu hart ist. jurys sollten herzen haben:

PSDS – Pauli sucht die Superbezirksamtsleitung

Samstag, 14. April, 15:00 Uhr
Aula der Ganztagsschule St.Pauli, Bernhard-Nocht-Straße 12

SOS St.Pauli findet Castingshows hinter verschlossenen Türen langweilig und lädt deshalb alle Kandidierenden um das Amt der Berzirksamtsleitung zum öffentlichen Recall. Anwohner_innen und Expert_innen aus dem Stadtteil sollen bei PSDS die Gelegenheit bekommen, den Kandidierenden die Fragen zu stellen, die St.Pauli am meisten auf der Seele brennen.

Es gibt wohl kaum eine Berufsbezeichnung die weniger sexy klingt als: Bezirksamtsleitung. Riecht grau, nach Akten, Fluren, Amtstüren, Weisungsbefugnis und „hier bitte Nummernmarke ziehen“. Ein Beruf wie abgestandener Filterkaffee. Wie fleischgewordene Wartezeit.
Doch der unauffällige Titel täuscht. Denn die Bezirksamtsleiter_in ist zwar eine vom Senat ernannte Beamt_in, hat aber dennoch eine Menge zu sagen*. Sie prägt das Klima und den Arbeitsstil der gesamten Verwaltung. Sie kann entscheiden, ob EU-Gelder zum Aufbau substanzloser Standard-Gastrobetriebe mitten in St.Pauli ausgegeben werden – oder in soziale Projekte fließen. Sie kann ganz allein entscheiden, ob ein Bauherr von einem städtebaulichen Vertrag befreit wird – oder sich an die Vereinbarung halten muss. Sie kann dafür sorgen, dass die Bauprüf mit harten Bandagen gegen Investoren vorgeht, die Gründerzeitdenkmäler abreißen – oder das Ganze als Ungeschick abtun. Sie kann die Fundamente einer Brücke durch künstliche Bachbecken ersetzen und einen Zaun drumrum bauen.

Wie wäre es nun, wenn wir einen Bezirksamtsleiter – oder gar eine Bezirksamtsleiterin – hätten, die unter „Stadt“ etwas anderes versteht als Investorenarchitektur und Eventmarketing? Wenn Bezirksamtsleitung hieße: Als Beamt_in über der Parteidisziplin zu stehen. Den Bewohner_innen des Bezirks verpflichtet zu sein und nicht einem Kreisfürsten der eigenen Partei. Zuerst mit den Leuten vor Ort zu reden und erst dann mit den Investoren. Respekt vor gewachsenen Strukturen zu haben, und diese nicht als Investitionshemmnis, sondern als Entwicklungspotential zu sehen. Dafür zu sorgen, dass Bewohner_innen mit wenig Geld genauso viel zu sagen haben wie die Grundeigentümerlobby. Originalität, gute Ideen und Schlupflöcher wichtiger zu nehmen als flächendeckende Kontrolle. Demokratie ernst zu nehmen und Planungsverfahren zu unterstützen, in denen das lokale Wissen sich durchsetzen kann. Die Stadt als Ressource zu sehen, die Freiheiten braucht – und günstige Mieten, um erfinderisch zu bleiben.

„… eine bürgernahe Verwaltung ist zu gewährleisten“, heißt es im Ausschreibungstext. Wir hoffen, dass alle Kandidierenden mit ihrer Teilnahme an PSDS zeigen werden, dass sie diese Anforderung schon in der Bewerbungsphase genauso ernst nehmen wie wir.

*In der Einheitsgemeinde Hamburg, die ohne echte kommunale Selbstverwaltung auskommen muss, hat die letztendlich vom Ersten Bürgermeister ernannte „Bezirksbürgermeister_in“ große politische Macht, ohne vom Souverän gewählt zu sein.

Kontakt: 0176-49447530 SOS St. Pauli < http://www.sos-stpauli.de/>