Beiträge von hausfrau

und dann kommen die wahlen in hamburg

und man fragt sich an dieser stelle:
kann jemand der für soziale gerechtigkeit ist die spd wählen: hartz IV im Bund, Planung für Elbphilharmonie, Hafencity und Konsorten in der Stadt. Wahlkampfschwerpunkt: Elbvertiefung.
kann jemand konservatives die cdu wählen: fünf senatoren gehen. der bürgermeister wollte lieber krimis lesen, frigge hat ein verfahren am hals und so weiter und so fort.
kann jemand der für ökologie ist die grünen wählen: moorburg, moorburg, moorburg, fernwärmetrasse
kann jeman der links ist die linke wählen: hamburg ist landesparlament und die bundeslinke hat lafontaine mit seinen rassistischen hetzerein.
das wird lustig.
da bleiben dann die grauen panther

alte rindermarkthalle:

oder: ich brauche keine palmen, ich brauche eine bücherhalle

liest man in leicht veralteter hamburger literatur dann finden sich zum beispiel in dem band
„Der Bürger plant mit- Erläuterungen zum Bebauungsplanverfahren“ von Senator Volker LA
ange mit einem Vorwort versehen, aber ansonsten ohne bibliografische Angaben, der schöne Satz:

„Bebauungspläne sollen eine geordnete städtbauliche Entwicklung gewährleisten und dazu beitragen, eine menschwürdige Umwelt zu sichern“

Herrlich, dann möchte ich hiermit feststellen, das eine weitere Eventisierung der Stadtteile St.Pauli, Schanze und Karolinenviertel die Umgebung für BewohnerInnen zu einer menschenunwürdigen werden lässt, weil die Infrastruktur zur Nahversorgung mit Gütern des täglichen Gebrauchs immer schlechter wird, die Preise in den umliegenden Geschäften immer höher klettern, weil die Ladenmieten das auch tun und insgesamt eine Kultur des kleinsten kulturellen Nenners herrscht, da ansonsten bei den mieten das geschäftsrisiko zu groß wird für all diese mittelständischen selbstständigen. es wird also langweilig, repressiv und wegen der langen einkaufs- und sonstigen versorgungswege wirklich umständlich.
please go for menschenwürdige bebauung.

stadtteilspaziergang – no imk: modell impulskessel

zuerst war es fast noch ein bisschen witzig. am ende der beckstr. stand polizei, auf dem neuen pferdemarkt stand polizei, das schulterblatt runter immer mal so dreiergrüppchen polizei und ansonsten das ewig-gleiche schanzenpublikum auf der suche nach lebensmitteln und amuesemang. vor der roten flora, auf dem achidi-johm-platz 200-300 leute, die einen stadtteilspaziergang gegen gentrifizierung mitmachen wollen. ein mensch erzählt durch den lautsprecher die geschichte des ortes und verweist auf die zeiten als unter schwarz-schill, täglich menschen nicht-rosaner hautfarbe von der polizei kontrolliert worden sind und nicht selten heftigen repressionen ausgesetzt worden.

wir schlossen uns den spaziergängerInnen an und schon 200 meter weiter wurde die polizeipräsenz auf einmal massiv. durch eine plauderei verlangsamt waren wir auf einmal die letzten der spaziergängerInnen und hinter uns liefen 30 polizisten mit schwerer kleidung und helmen, die sie unter dem arm trugen. wir bewegten uns auf den bürgersteig nach vorne und kamen nicht weiter, weil die polizei die spaziergängerInnen impulsgekesselt hatte.

nach einer viertelstunde und einem redebeitrag zur geplante erweiterung der gastronomieaussenflächen in der susannenstr, ging es dann zum schanzenpark. da kam man noch nicht einmal bis zur ubahn. die polizei bildete eine kette bis hinein in die rechts und linksseitigen gebüsche. hier trugen viele schwarze helme und waren damit für herkömmliche digtalkamera unsichtbar. auch auf nachfrage kam man nicht zur ubahn und so war der zweite impulskessel komplett. da eine von uns zu panikattacken neigt, entschlossen wir uns dann nach hause zu gehen. auf dem rückweg sahen wir dann 10 wannen alleine im wendehammer bei der ubahn. insgesamt dürfte die zahl der polizisten locker so hoch wie die der in ihrer bewegungsfreiheit und in ihrem recht auf meinungsäußerung sehr gehinderten spaziergängerInnen locker überragt haben. vielleicht möchte der senat mit diesen ausgaben die wirtschaft ankurbeln im sinne von keynes?

belgrad: was ist da passiert

erst mal ist es wohl als erfolg für die queere bewegung zu werten, dass bis jetzt keine berichte über queere verletzte nach den ausschreitungen bekannt wurden. zum ersten mal seit 2001 ist es also gelungen, eine gay-pride in belgrad durchzuführen und die queers konnten, so sah das auf einigen der fotos aus, abends auch noch unbehelligt ein party feieren. dazu, so seltsam das klingt nach den erschreckenden ereignissen, erst mal: herzlichen glückwunsch. beeindruckend wie mutig die aktivist*innen für das recht auf heterogene lebensformen auf die strasse gehen.

letztes jahr wurde der pride durch die polizei abgesagt, da sie sehr kurzfristig das gefühl hatte nicht für die sichherheit der teilnehmer*innen garantieren zu können.

diesesmal hat es geklappt. das ist immerhin etwas. aber die massen die samstag gegen die rechte von homosexuellen auf die strasse gegangen sind, und das ausmass der gewalt bei den angriffen auf die parade am sonntag sind hochgradig erschreckend und lösen zumindest bei mir eine art stummheit aus, der ich versuche mit diesem artikel zu entkommen. erstmal versuche ich die zahlen zu kontexutalisieren. wikipedia teilt mir mit, das belgrad 1, 2 millionen einwohnerInnen hat. das ist irgendwie beruhigend, macht es doch die 20.000 homophoben demonstranten nicht zu einem hohen prozentsatz der belgrader bevölkerung.

andererseits, habe ich bei dem videomaterial, dass ich mir gestern stundenlang ansah keine leute gesehen, die den rechten mob aufgehalten haben. auch liest sich nirgendwo etwas von gegensdemonstrationen gegen den aufmarsch der homophoben nationalisten. ungehindert konnten sie also die stadt zerlegen, ohne dass andere bewohner derselben viel dagegen getan haben.
das macht leider die zahl glaubhaft, dass zwei drittel der serbischen bevölkerung gegen homosexualität ist. das könnten sie ja ruhig sein, im sinne der meinungsfreiheit, aber sie sind es nicht nur, sondern sie lassen auch homophobe akte geschehen und eben diese ausschreitungen zu, die man gestern sehen konnte, es ist also agressive homophobie. das bringt mich auf das fassungsloseste level von argumentation: „aber homosexualität tut doch keinem was“ was verdammt noch mal spricht den gegen alternative lebensentwürfe. und es wirft die frage auf, wie stark das bild eines heterosexuellen lebensentwurfs mit nation verbunden ist. ist der kern der nation der heterosexuelle geschlechtsakt? manchmal mag man das fast glauben. mit dieser argumentation hier komme ich wohl auf keinen grünen zweig. es bleibt dabei, dass ich die aggression gegen homosexualität und heterogene lebensformen nicht verstehen kann und nicht weiß wie man machen kann, dass sie aufhört. falls jemand von euch erhellende analysen hat: bitte her damit.
the hausfrau

schanzenfest schanzenfest

seit jahren wird es ja immer schwieriger auf dem schanzenfest überhaupt noch einen flohmarktstand unterzubringen.
auf dem schulterblatt ist es nahezu unmöglich, weil dort schon in der nacht davor leute ihre stände aufbauen um einen möglichst guten platz zu haben. nun stellt sich diese praktik als eine tolle heraus, anstatt darüber zu kichern, sollten woll alle damit anfangen in diesem jahr, denn
„Amtsleiter solidarisieren sich, wollen Bezirklichen Ordnungsdienst schicken, um im Vorwege den Aufbau von Ständen und Imbissen zu verhindern. “ und da hilft nur das zahlreich früher dasein.
yours
hausfrau

city life

gerade lese ich ein für stadtplanungsreader verhältnismäßig altes buch: es ist 1997 erschienen, heißt „city life“ und ist von heinz paetzold herausgegeben.

das buch macht spass: erst rennt man mit paetzold wie wild durch die philosophiegeschichte um zu sehen was stadt darin für eine bedeutung hatte. dann kommt man mit nadezda cacinovic nach zagreb und guckt sich einen kleinen platz an, dessen umgestaltung hin zu einer shoppingmall ähnlichen atmosphere die menschen drum herum fassungslos sein lässt und wird dann im nächsten beitrag von slavencula draculic augenzeuge eines baummassakers auf dem gleichen oder mindestens einem ähnlichen platz. bei dem die umstehenden leute die mit stiller wut bei der abholzung zusehen eine aussage über die demokratie treffen.

das erinnert mich sofort an die iga wilhelmsburg, wo 2000 bäume für die gartenbaustellung abgeholzt worden sind, und sich zwar bürgerunwillen regte, der aber den stadtplannern ziemlich egal ist. fährt man zurzeit nach wihelmsburg wundert man sich wie viele orte dort gerade unbegehbar sind, weil entweder iba oder iga den großen wurf planen. da wird die geschichte eine ganzer insel umgegraben, der alltag der bewohnerInnen massiv erschwert, alleine dadurch, dass die busse nicht mehr da halten, wo sie immer hielten und die insel hält nahezu still.

gerade bin schon beim nächsten artikel wo ken-ichi sasaki über die cartesianische stadt schreibt, also die stadt, die von einer hand geplant, von einer logik durchdrungen ist und über tokyo und das er findet, dass bildhaftigkeit einer stadt, etwas für die touristen ist und berührbarkeit, empfindbarkeit etwas für die bewohner, dass es also unterschiedliche äesthetische zugänge zu städten gibt.

ich denke dabei an düsseldorf.
als ich in der pubertät war, war ich einsam, einsam, einsam und verzweifelt. das kennen viele, das weiß ich inzwischen, weil sich hier in hamburg, der großstadt so viele sammeln, die in ihren kleinen herkunftstädten das gleiche erlebten. denn das war für mich das versprechen der großstadt, leute zu treffen die ähnlich empfinden und das hat sich eingelöst. aber einen schritt zurück. ich erinner mich,als wäre es gestern gewesen, dass ein sehr großes moment meiner verzweiflung war, dass ich nicht das gleiche aesthetische empfinden wie meine umgebung hatte.
ich konnte zu meiner tiefsten verwirrung hochhäuser zum beispiel nicht häßlich finden und föhnfrisuren nicht hübsch. eines nachmittags hielt es mich nicht mehr zu hause, ich musste raus, ich musste mich mit der welt konfontrieren, ich wollte verstehen. ich ging zu sämtlichen hochhäusern die ich kannte und versuchte ein gefühl zu ihnen zu entwickeln. ich versuchte dringend sie auch häßlich zu finden, einen wiederhall ihrer monströsität in mir klingen zu spüren. es gelang mir nicht. ich weinte. ich fuhr zum bahnhof und machte mich auf die suche nach leute, die ich gut gekleidet fand. in düsseldorf gelang mir das nicht. ich fuhr nach hause und las bücher und hörte mir anne clark an. sie sang nur für mich „suicide is an urban desease, spread by people and places like these“ und ich beruhigte mich ein bisschen.

um eine lange geschichte viel kürzer zu machen. jahre später fuhr ich nach rom, und blieb da ein jahr, einfach nur um jeden tag durch die stadt zu gehen, mit musik auf den ohren und die stadt zu geniessen. großstädte sind für die orte, an dem sich grüppchen um identitäre merkmal bilden, aber keine identität sich so sehr sicher sein kann, dass sie die einzige ist. da ich immer noch zu den verunsicherten personen gehöre, ein wahrer labsal für mich. jede strasse ein lebensnerv. jetzt les ich mal weiter in dem buch.

max und consorten schließt

und das wegen der doofen, doofen hamburger mieten.
das nervt wirklich.
das max und consorten kannte ich schon, bevor ich nach hamburg gezogen bin.
immer mal wieder auf besuch in der stadt bin ich gerne dorthin gegangen. und dann jahre später freute ich mich über diesen fels in der brandung der wandlung. und nun der zahn der mietensteigerung. und hier noch mal zum mitschreiben für alle stadtplaner: das ist kein „natürlicher“ vorgang. und diese art von stadtumstrukturierung ist nicht „natürlich“ sondern dass ist politisch so entschieden, da sind prioritäten gesetzt worden und da werden bis heute entscheidungen getroffen. der einzelfall mag immer zufällig sein, die summe an stadtteilaufwertungen und mietmaximierungen ist so gewollt und das nervt wirklich.
wenn die saga 100 millionen überschüße in die elbphilharmonie stecken kann, anstatt einfach die mieten niedrig zu halten, dann ist das eine politik gegen die ich mich immer stellen möchte.

für mehr nette orte. für eine sicht- und fühlbar „geschichtlichkeit“ der stadt
the hausfrau

Das ‘Max & Consorten’ schließt, diesmal für immer. Zeitenwandel in St. Georg, renditegesteuert. Das Grundstück soll profitabler verwertet werden.

Auf der Internetseite von “Max & Consorten” heißt es lapidar

“Es hat sich bereits rumgesprochen, jetzt ist es leider offiziell: am 31.07.2010 schließen wir das letzte Mal die Tür auf, danach ist Sense. Aber wenn wir schon gehen müssen, dann mit einem Knall und der wird lauter als jede Abrissbirne. Dafür sorgen wir zusammen mit Euch! Also kommt ab 17.00 Uhr vorbei zu Speis, Trank und Live Musik. Das Max&Co Team freut sich auf Euch!”

mehr

können wir bitte mal

den innensenator abwählen?
heute wird er in der senatspostille abendblatt so zitiert:

Innensenator: „Wir haben ein Problem mit Migranten“

also ich habe ein problem mit dem innensenator.
der ja auch das schanzenfest mal wieder verbieten möchten.
und dafür die schanze ab 18 uhr zum „gefahrengebiet“ erklären.
ach so gefahrengebiet heisst, du gehst über die strasse und die polizei kann dich einfach mal so durchsuchen, deine personalien festellen und dich peinlich befragen, weil sie dazu lust haben, sie brauchen dann keine andere rechtliche handhabe, als dasss du gerade durch ein gefahrengebiet gehst. bei einem st.pauli spiel war das dann so, dass ich auf dem weg vom einkaufen nach hause, zwar unbehelligt, aber dennoch durch lauter patrouillen gelaufen bin. da fühlt man sich schon als reine bewohnerin einer solchen gegend gefährlich und gefährdet. being a lion-tiger oder so.

und wo man schon bei anekdotischem aus dem alltag ist:

  1. weiss jemand mehr über die planungen für die rinderschlachthalle? wie war es wohl am montag bei der präsentation und wann passiert da jetzt was?
  2. weiss jemand den genauen stand beim gängeviertel? wie sind dabei stehen geblieben, dass die (privatisierte) steg das jetzt verwalten soll.

für jeden kommentar dankbar
the hausfrau

auftaktveranstaltung: music hall

ein kurzer erlebnisbericht noch ganz unter dem eindruck des ereignisses:
zunächst einmal: die aula war brechend voll, es standen sogar leute draussen im flur. geschätzt waren es auf jeden Fall über 200 menschen und die zahlen könnten bis 400 gehen. bei einer abstimmung stellte sich heraus, dass ca. zwei drittel der anwesenden dafür waren, stadtplanung in hamburg neu zu denken: kooperativ mit den anwohnerInnen, ergebnissoffen und auf jeden fall nicht von oben nach unten, egal wie nett die angebote zu den partizipationshäppchen auch klingen mögen.

während der sammlungsphase hängten anwohnerInnen alle fenster mit plakaten für eine direkte und konkrete bürgerbeteiligung voll und eine gruppe von leuten enterete die bühne hinter den sprechern die in einer art mulde sassen.
die gruppe hielt ein banner in die höhe, auf dem gut lesbar „die stadt gehört uns allen“ stand.

die politiker und experten waren offensichtlich weder in der lage mit soviel engagement seitens der bürgerInnen umzugehen, noch hatten sie technik oder rhetorik im griff. das war und das kann mit sicherheit behauptet werden eine suboptimale performance seitens der experten.

zunächste bekamen sie die mikrofone nicht an, dann als, die anwohnerInnen sich mittels eines megafons gehör für den vorschlag einer eigenen planungsphase schufen, versuchten sie mit dem eskalativen mittel der lautstärkeübersteuerung die redemacht zu erlangen. als ihnen das kurzfristig gelang erklangen sätze wie „nun, lassen sie uns doch unsere (sic) veranstaltung durchführen“; „jetzt lassen sie doch die experten (sic) mal reden“ und ähnliches mehr. die anwohnerInnen forderten dann zur obengenannten abstimmung auf, die eben jenes ergebniss erzielte. dann befestigten sie flipchartpapiere an den fenstern, verteilten eddings und begannen damit, ihre eigene planung zu inszenieren. eine der forderungen war und die wurde mit sehr viel verve vorgetragen: „wie möchten mehr zeit für die planung, denn wir sind keine experten und wir brauchen mehr zeit um uns das wissen anzueigenen“ wo sich der bezirksamtsleiter nicht entblödete in ein voll aufgedrehtes mikrofon zu schreien und die aufgebrachten bürger zu beschimpfen, wirkte die anwohnerInneninitiative häufig deeskalitiv und auf eine konstruktive planung bedacht.

meine empfehlung: stadtplanungscoaching für den bezirk und mindestens ein jahr rhetorik und führungsstilkurse, damit sie auch nur einer gruppe von interessierten und engagierten bürgern gegenüberstehen zu können, ohne peinlich zu sein. was man auch vom new management halten mag, aber spätenstens seit den neunzigern dürfte auch politikern mal klar sein, dass man mit einem autoritären „der kapitän bin ich und meuterei wird bestraft“ weder weit kommt noch der demokratie einen guten dienst erweist. denn mindestens heute hat man gesehen, dass bürgerbeteiligung kein weißer wal ist.

aus frauenkneipe wird nasenbär: das fällt mir schwer

auf die nerven:

und direkt gegenüber, wo vorher der nasenbär war, findet sich jetzt mit „dickmamsell“ ein laden für schwangerschaftskleidung.
ich habe nun wirklich nichts gegen kinder und wenig gegen mütter, aber so eine harte gentrifizierunsgflankierung habe ich schon lange nicht mehr gesehen.

da, wo vorher ein innerstädtischen brachenraum war, mit der gefährlichen stresemannstr, die vor der verkehrsberuhigung, die durch jahrzehntelange anwohnerinnikämpfe erstritten wurde, eine der unfallträchtigstenstrassen der stadt war, ist jetzt eine flaniermeile für mütter mit geld im entstehen. mütter, die sich bewußt für ökokleidung interessieren und dafür ordentlich tief in die tasche greifen.

die frauenkneipe, so langweilig es doch auch dort oft war, war immerhin ein ort, an dem gesellschaftliche verhandlung möglich war. seit 1977 wurde dort jahrzehntelang über geld, sexuelle identifikation, klassenunterschieden und utopien gestritten,geredet und gelacht. dabei kamen teils desolate, teils skurrile kneipenabende heraus, mit deren nacherzählung sich abende füllen lassen.

bei nasenbär und dickmamsell hingegen ist alles klar: frauen,die dort verkehren, sind welche und meist sind sie mütter, sie sind es gerne, sie kaufen gerne für ihre kinder ein und alles ist toffte.
bäh.

solchen macht es wahrscheinlich auch nichts aus, ein bisschen mehr miete zu zahlen, wenn dafür endlich mal die strese ordentlich begrünt und noch mehr beruhigt wird. nicht, dass sich noch der feinstaub im schafffell niederlässt.

Heiligengeistfeld: Statt einkaufen jetzt Musik hören

der hamburger senat und die bezirksamtsleiter haben es sich wirklich gründlich zu herzen genommen, das gerede von der kreativwirtschaft.
und so bauen sie alles in klotziger größe.
jetzt soll auf das gelände des real-markts eine „music hall“ mit 4000 plätzen.

anstatt mehr bandübungsräume, zwischennutzungskonzepte, das belassen von brachen, die förderung von musikfestivals zu fördern, sägen sie an der infrastruktur der drei angrenzenden viertel, schanze, pauli, karo und schaffen raum für mehr eventtourismus.

Die neue „Music Hall“ auf St. Pauli könnte schon im Jahr 2013 neben dem Bunker an der Feldstraße eröffnet werden. Wo jetzt der Real-Markt in der Alten Rindermarkthalle noch bis Ende des Jahres steht, würden Stars wie Jan Delay oder Gruppen wie Deichkind auftreten. Die „Music Hall“ könnte sogar zusätzliche Rock- und Popkonzerte nach Hamburg bringen, weil eine Halle mit 4000 Plätzen bisher in der Stadt fehlt. Die neue Halle würde die Lücke zwischen den kleinen 1500-Plätze-Klubs wie Docks und der 7000 Besucher fassenden Sporthalle schließen.

dabei platzt mir der kragen. eine der schönsten kneipen für unvorhergesehene musik-genüsse war das heinz-karmers-tanzkaffee in einem kleinen haus an der budapesterstr. direkt gegenüber von dem jetzt neu zu bebauenden areal. im heinz-karmers spielten bands after-show-gigs, andere feierten dort ihre neuen platten, manchmal wurden neue bands direkt am tresen gegründet und das alles bei günstigen getränkepreisen und mit einem würfel ausgelostem eintritt bei konzerten. dem laden wurde gekündigt, weil dort etwas neues gebaut werden sollte. gefühlte 15 jahre später und mindestens echte 8 steht dort immer noch eine muntere baulücke und verweist auf die unsägliche kulturpolitik der stadt, die letztlich im wesentlichen ein instrument der wirtschaftsförderung ist und man merkt es ihren akteueren an. ungefähr zu heinz- karmerszeiten gab es an der gasstr, in bahrenfeld, da wo jetzt diese glänzenden neuen quartiere im rahmen des master plans altona entstehen, eine industriebrache auf der parties und konzerte stattfanden. da ist jetzt seit jahren das gaswerk, wo sich dann gepflegt beim sekt kultur geholt werden kann.

wenn die stadt es ernst meinen würde mit der kulturförderung und anwohnerfreundlichkeit, dann würde sie wohl lebenstile fördern also:
so wie in österreich druckkosten für publikationen übernehmen, kulturzentren institutionell fördern, wie in der schweiz durch die migros-stiftung eine breite kunstförderung durch günstige materialabgabe, die flora ihren nutzern schenken und was weiß ich auf jeden fall: breitenförderung statt leuchtturmquatsch. und vor allem die mieten runter, damit sich ein lebenstil, der nicht auf die reine verwertbarkeit schielt überhaupt entfalten kann. wenn die mieten und auch die gewerbemieten sinken würden, dann könnten auch mal wieder lebensmittel zu vernünftigen kursen verkauft und wohnungen in kreatvizonen verwandelt werden. so ist der drang in andere städte allerdings wirklich groß, vor allem wenn bezüglich der „music hall“ auch noch behauptet wird, dass die entwicklungen auf dem gelände alle ganz sanft und gegen gentrizifizierung sind und mit viel bürgerbeteiligung als lehre aus dem gängeviertel :

Der Bezirk Mitte hat mit einer Studie das Verfahren eingeleitet. In einem Wettbewerb und Workshop-Verfahren werden sechs Architekturbüros Pläne für eine „komplette städtebauliche Neuordnung“ erarbeiten, über die im Juni abgestimmt wird.

Die Stadt will das heiß begehrte 3,4 Hektar große Grundstück nicht im Höchstpreisverfahren an einen einzigen Investor vergeben, sondern kleinteilig entwickeln. Bürobauten sollen sich „unterordnen“ und auf Folgenutzungen, die rein wirtschaftlich ausgerichtet sind, „wird verzichtet“. Stattdessen soll alles stadtteilverträglich, öffentlich, transparent und mit einem Bürgerbeauftragten entwickelt werden.

Hat die Stadt jetzt aus Projekt-Pleiten wie im Gängeviertel gelernt?

„Ja, die Erkenntnisse aus solchen Verfahren sind eingeflossen“, sagt Gunter Böttcher (CDU), Chef des Stadtplanungsausschusses im Bezirk Mitte. Und die Zustimmung sei fraktionsübergreifend.
„Es ist das erste Mal, dass eine Planung explizit den Aufwertungsdruck oder die Gentrification mit einbezieht“, sagt Andy Grote, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion. Es komme kein Großprojekt, sondern entstehe mit kleinen Bausteinen und kleinen Nutzungen ein ganz neues Stück St. Pauli. „Wenn nicht gar ein ganz neues Quartier“, sagt Grote. Nach dieser Kleinteiligkeit hat der Bezirk ein Jahr an der „Machbarkeitsstudie Alte Rindermarkthalle in Form eines kooperativen Gutachterverfahrens“ gearbeitet; und zwar „im Einvernehmen“ mit der Bau-, Finanz- und Kulturbehörde.

da bleibt einem als anwohnendem huhn doch das lachen im halse stecken, neben den paar körnern. ich bin mir ziemlich sicher, dass die anwohnerInnen wohl gerne auf sitzungen gehen dürfen, ich glaube aber nicht, dass sie die budgets verwalten oder gegen die visionen veto-recht haben.

frage ich in meiner nachbarschaft, möchten mehr menschen günstig einkaufen gehen, als noch mehr erlebnisshungertourismus hier auf der ecke zu bedienen. und damit man dann auch schon weiß, in welche richtung die anwohnerInnen diskutieren dürfen hier die „Bedingungen“ der stadt: Folgende Bedingungen haben die Politiker festgelegt:

- Die „Music Hall“ für Rock- und Popkonzerte mittlerer Größe fasst 4000 Besucher und ist 5000 Quadratmeter groß. Die Halle könnte als „Haus im Haus“ in der alten Rinderhalle stehen oder neu gebaut werden.

- Für die Nahversorgung soll sowohl ein Discounter als auch ein qualifizierter Vollsortimenter auf insgesamt 2000 Quadratmetern sorgen.

- Die Jet-Tankstelle wird abgerissen.

- In einer Markthalle sollen kleine Einzelhändler auf 3000 Quadratmetern Platz finden.

- Auch am Neuen Kamp und an der Budapester Straße soll es kleinteiligen Einzelhandel auf 900 Quadratmetern geben.

- Besonderen Wert wird auf neue Gastronomie auf 3000 Quadratmetern gelegt, um den „Druck auf die umliegenden Quartiere abzumildern“. Gemeint ist besonders die immer weiter ausufernde Gastro-Szene im nahen Schanzenviertel.

- Für die Musik- und Kreativwirtschaft sind bis zu 16 000 Quadratmeter vorgesehen. Kleinteilige Büros sind gefragt, weil „massive einheitliche Bürobebauung“ in dem Viertel „nicht stadtteilverträglich“ sei.

- Bis zu zehn Prozent der Fläche ist kulturellen Nutzungen vorbehalten. Neben kleinen Einrichtungen könnte die zentrale Lage auch von den großen Theaterbetrieben zum Beispiel für Proberäume genutzt werden.

- Wegen der Lärmbelastung durch den Autoverkehr und das nahe Stadion sind nur 15 Prozent Wohnungsbau möglich. Im Blick sind Studenten und junge Menschen.

das einzige was mich daran fast versöhnlich stimmt, ist der letzte satz des abenblattartikels aus dem hier die zitate sind:

Das Projekt steht wegen der besonders sensiblen Nachbarn nicht nur unter Erfolgs-, sondern auch unter Zeitdruck. Vom ersten Januar kommenden Jahres an wird die Halle leer stehen, weil der Vertrag mit dem Real-Markt ausläuft. Und ziemlich real besteht dann die Möglichkeit, dass Besetzer sich dort einnisten

yours die sensible nachbarin

meine innere sicherheit

als hausfrau und bloggerin möchte ich mal sagen, dass die angst mein ständiger schreibschatten ist. ich finde es lächerlich, denn nichts was ich schreibe könnte auch nur in den ruch einer strafrechtlichen relevanz kommen, denke ich mir so. es ist lächerlich, weil ich so eine grundsätzlich harmlose person bin und tatsächlich meine tage im wesentlichen mit bloggen, brotbacken,lesen, plaudern und puzzlen verbringe. und es ist lächerlich, weil wir ja in einer demokratie mit meinungsfreiheit leben.
vor einer woche habe ich bei bildwechsel den film „focault in berlin“ von agnes handwerk gesehen. da wird foucault mit einem ost-west-polizei-vergleich zitiert und was mir im kopf blieb, ist, dass die polizei im westen ein szenario von angst produziert, damit sie als helfer auftreten kann. bei mir kommt nur angst an. in einem blog als medium der naivität, kann ich das ja mal so sagen.
mir hat das radikal-verfahren angst gemacht und das mg-verfahren. mir hat der wirbel um heiligendamm angst gemacht, mir machen die polizeifahrten, die momentan in hamburg so häufig zu sehen sind angst. angst macht mir, dass die gestrige recht auf stadt parade vom gericht so unglaublich im vorfelde kriminalisiert wurde und die aufzählung könnte noch weiter gehen.

zum radikal verfahren: für mich stellte sich das so dar: leute, schrieben in einer vollkommen marginalen, nahezu unwichtigen zeitung (schließlich hatte ich den namen vor dem verfahren nie gehört) wilde artikel und kamen dafür einfach in den knast. ein bauwagenplatz. wurde mit polizei umstellt, ein hubschrauber senkte sich nieder und holte den gefährlichen schreiberling. leute, die ich kannte und kenne, die wiederum freunde der schreiber waren, wurden ohne vorwarnung morgens um sechs durch polizei aus ihren betten geklingelt und dann bei der darauf folgenden razzia auf diese gefesselt. weil, sie mit schreibern befreundet waren und weil sie jura studierten. ich begriff das nicht und ich habe seither verdammt viel darüber geredet und begreife es in wirklichkeit bis jetzt nicht. als ich noch jünger war und in einer anti-apartheid-gruppe, da dachte ich so etwas passiert nur in fernen ländern, die nicht so sind, wie dieses hier. steven biko war mein held. entweder musste das land, in dem so etwas passierte räumlich weit weg sein, oder zeitlich denn sophie scholl war meine heldin.

zum mg-verfahren: die begründungen, warum die menschen, die schlußendlich mit einem verfahren überzogen worden sind sich diesem unterwerfen mussten und müssen, sind so vage wie das wort „gentrifizierung“ und so alltägliche dinge wie das zuhause lassen des mobilfunkgeräts, dass ich nun nicht weiß, wann ich mit welcher geste, welche rechtsnorm übertrete und weswegen man in den knast kommen kann. lasse ich mein handy zuhause? gehe ich in die rote flora auf eine politische veranstaltung? sage ich, dass m.E. auch die militanten teile der sozialen bewegungen der siebziger jahre wie bewegung 2ter juni, raf und die black panthers interessante analysepunkte für „recht auf stadt“ sein könnten?
die angst habe ich nicht nur beim blog-schreiben oder bei öffentlichen diskussionen, die angst habe ich schon, wenn ich in meiner wohnung mit meinen engsten freunden darüber rede. denn was einen die ganzen verfahren gelehrt haben, ist wie perfide tief die überwachung verdächtiger personen in den alltag derselben eingreift.
zu heiligendamm: da werden videokameras aufgebaut, die in die privaträume der menschen filmen, telefone abgehört, ganze postämter von der polizei besetzt um briefe zu lesen und so weiter und so fort. mir gruselts.

ich will so nicht leben, und ihr versteht diesen blogaufsatz ganz richtig als befreiungsversuch, bei dem ich die ketten schon laut in meinen ohren klirren höre. auch richtig lest ihr, dass ich die knüppelein und tränengasschüsse der polizei auf demostrationen hier gar nicht erwähnt habe bis jetzt, die erscheinen mir schon so normal, dass mir beim schreiben davon übel wird. plötzlich ziehen bilder durch meinen kopf, von dem journalisten, der im jolly rodgers sass und dann durch polizeiknüppeleinsatz einige zähne verlor. von dem menschen, der beim zweiten schanzenfest dieses jahr einen schädelbasisbruch durch einen polizeiknüppel erlitten hat und für den immer noch zeugen des vorfalls gesucht werden. von den alltäglichen kleinen bis größeren platzwunden meiner freunde nach demonstrationen. von kabelbindern, die tief in die haut schneiden.

noch nicht fertig gedacht, kommentare würden mich erfreuen
therese roth (weder verwandt noch verschwägert und auch nicht verheiratet)