Beiträge von strickliesel

Stilblüten aus Hochglanzbroschüren

Im Rahmen von „Lesetage selber machen – Vattenfall tschüss sagen“ veranstaltet der AKU Wilhelmsburg zwei satirische Lesungen. Hier die vielversprechende Ankündigung.

„Freuen Sie sich auf eine Reise durch ein Miniaturwunderland futuristischer Metropolenentwicklung, das auf vormals weißen Flecken des Hamburger Stadtplans aus dem Boden gestampft wird. Folgen Sie unseren Erkundungen pittoresker Wildnis – und lernen Sie mehr darüber, was ,urbane Siedler‘ unter ,Soft Houses‘ und ,Smart materials‘ verstehen.“

„Stilblüten aus Hochglanzbroschüren: IBA blickt auf Wilhelmsburg“
Mi, 25. April 2012, 20:30 Uhr, Buchhandlung im Schanzenviertel, Schulterblatt 55
Do, 26. April 2012, 19 Uhr, OpenAir, Treffpunkt: S-Bahn Wilhelmsburg

Partisan des Möglichen. Vortrag über Lefebvre

derive – Radio für Stadtforschung dokumentiert den Vortrag „Ich bin ein Partisan des Möglichen“ von Klaus Ronneberger über Henri Lefebvre. Die Sendung kann über das Sendungsarchiv von Radio Orange FM 94.0 nachgehört werden. Hier die Ankündigung, inkl. Literaturhinweisen:

Der 1991 verstorbene französische Stadtphilosoph und -soziologe Henri Lefebvre ist gerade in den letzten Jahren auch im deutschsprachigen Raum wieder zu einer der zentralen Figuren in der Stadtforschung geworden. Das, obwohl seine Bücher zu städtischen Themen erstens schlecht übersetzt und zweitens auf Deutsch nur mehr antiquarisch erhältlich sind. Aktuell ist Henri Lefebvre in erster Linie durch seine Forderung eines „Recht auf Stadt“ bekannt. Unter diesem Slogan versammeln sich weltweit stadtpolitische Gruppen mit ihren Aktivitäten gegen die Auswirkungen einer neoliberalen Stadtpolitik.

Am 4. Oktober 2010 hat der Frankfurter Stadtforscher Klaus Ronneberger im Rahmen des von dérive veranstalteten Festivals urbanize! Int. Festival für urbane Erkundungen in Wien einen Vortrag über Henri Lefebvre gehalten. Der Titel des Abends lautetet „Die Stadt ins Werk setzen. Ein Abend über Henri Lefebvre“. Neben Klaus Ronneberger wirkten die KünstlerInnen Helmut Weber und Sabine Bitter sowie die Kulturtheoretikerin Elke Krasny an diesem Abend mit. Klaus Ronneberger gewährte in seinem Vortrag vor einem dicht gefüllten Saal einen Einblick in Lefebvres Thesen zur Produktion des Raumes, zur Urbanisierung und zum Recht auf Stadt.

Klaus Ronneberger, Studium der Kulturanthropologie, Europäischen Ethnologie, Soziologie und Politikwissenschaften. Langjähriger Mitarbeiter am Institut für Sozialforschung Frankfurt am Main. Gegenwärtig freier Publizist.

Weiterführende Informationen:
- Klaus Ronneberger: Eingreifendes Denken – Zur Aktualität Henri Lefebvres. In: dérive – Zeitschrift für Stadtforschung 40/41
- Klaus Ronneberger: Henri Lefebvre und die Frage der Autogestion
- Henri Lefebvre (Wikipedia)
- Klaus Ronneberger, Stephan Lanz, Walther Jahn: Die Stadt als Beute. Bonn: Dietz, 1999
- urbanize! Internationales Festival für urbane Erkundungen Wien: www.urbanize.at

Redaktion und Sendungsgestaltung: Christoph Laimer und Elke Rauth
Signations: Bernhard Gal (www.bernhardgal.com)
Sendungsverantwortung: Elke Rauth
Information und Kontakt: www.derive.at, mail@derive.at

Was macht eigentlich … die Neue Mitte Altona?

Liebe BlogleserInnen,

in der Rubrik „Was macht eigentlich…?“ hat Frau Kleine auf Abgeordnetenwatch eine Anfrage an zwei Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses (Andy Grote und Heike Sudmann) gestellt. Konkret lautet die Frage: Was macht eigentlich die Stadt in Bezug auf die Neue Mitte Altona für Deals? Die Informationen sind mehr als spärlich. Klar, einen Masterplan gibt es, autofrei soll es sein, ein paar Partizipationsspielchen finden statt, wo aber nie transparent gemacht wird, welche Bürgerwünsche auch wirklich umsetzt werden. Es gibt in Altona ein Infocenter, das mehr ein Desinformationscenter ist, so unkonkret und vage bleibt alles. Jetzt aber mal Butter bei die Fische: Wie ist der Stand der Verhandlungen mit den Investoren? Wie viel sozialer Wohnungsraum entsteht dort? Was wird, für wen geplant? Hier die Anfrage:

„Als Anwohnerin im Gebiet der sog. Neuen Mitte Altona interessiere ich mich für den aktuellen Stand der Planungen. Konkretes zu erfahren, ist allerdings gar nicht so einfach. Ich möchte gerne wissen:

1.) Wie ist der Stand der Verhandlungen mit den aktuellen Besitzern (Bahn AG, Aurelis und Carlsberg-Brauerei)?

2.) Gibt es schon Vorverträge mit Investoren, wie z.B. ECE oder Redwood Grove International?

3.) Wie hoch fällt der Planungsgewinn aus und wie wird sicher gestellt, dass ein großer Teil dessen auch direkt den Altonaer Bürgerinnen und Bürgern in Form von günstigem Wohnraum zu Gute kommt?

Über eine Antwort und mehr Transparenz freue ich mich. Eine weitere hochpreise und kalte Hafencity können wir hier in Altona Nord nun wirklich nicht gebrauchen, sondern ich wünsche mir einen lebendigen Stadtteil, in dem – wie bisher – auch und vor allem Menschen mit geringem Einkommen leben können.“

Manifest der Erwerbslosen für ein Recht auf Stadt

Erstellt von der Recht-auf-Stadt-AG der Bundesarbeitsgemeinschaft Prekäre Lebenslagen:

Recht auf Stadt‘-Initiativen entstehen in letzter Zeit in vielen kleinen und großen Metropolen. Unterschiedliche Gruppen finden sich zusammen, nicht nur um den Ausverkauf der Städte zu begegnen, sondern um theoretische wie praktische Wege zu finden und zu bestreiten, die über die jetzige Gesellschaft hinausweisen.

Eines der zentralen Auseinandersetzungsfelder für Erwerbslose ist die Wohnfrage und die Repression in diesem Bereich von Seiten der Jobcenter (Zwangsumzüge, Kürzung des Regelsatzes nach Überschreitung der Mietobergrenze, Kürzung der Heizkostenzuschläge usw.). Im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung über die soziale Frage im Kapitalismus wird auch in Erwerbslosengruppen über Alternativen zum herrschenden Regime gesprochen. Parallellen zu den “Recht auf Stadt”-Initiativen sind somit gegeben. “Recht auf Stadt” ist auch innerhalb der Bundesarbeitsgemeinschaft-Prekäre Lebenslagen ein Arbeitsgruppenthema. Aus diesem inhaltlichen Zusammenhang ist das “Manifest der Erwerbslosen für ein Recht auf Stadt” entstanden.

Manifest der Erwerbslosen für ein Recht auf Stadt

Wir fordern:
Das Recht, die Fülle der Stadt zu genießen.

Der Verkauf unserer Innenstädte schreitet voran und damit verändern sich die Wohn- Lebens- und Arbeitsverhältnisse besonders von Erwerbslosen und Prekären drastisch. Die Folge: Viele können ihre Existenz nicht mehr sichern und sind vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen.
Banken, private Investoren usw. profitieren vom Umbau und dem Ausverkauf unserer Städte. Gering bezahlte Prekäre, arme Kinder, Jugendliche, Kranke, Alte, Menschen mit Behinderung, MigrantInnen, Asylsuchende, Wohnungslose, Obdachlose werden gesellschaftlich abgehängt.
Dagegen stehen wir auf und sagen:

Recht auf Stadt bedeutet ein ausreichendes Einkommen für Alle und die freie Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben!

Wir benötigen mehr als ein Dach überm Kopf – gesunde Wohnungen, die bezahlbar sein müssen, nicht in Ghettos liegen, und nicht vom sozialen und kulturellen Leben der Stadt ausgrenzen.

Wir fordern

als BezieherInnen von Sozialleistungen
- Übernahme der tatsächlichen Kosten der Unterkunft und Heizung
- Keine Pauschalierung der Wohnkosten
- Das Recht in der angestammten Wohnung zu bleiben und auf freie Wohnungswahl

als MieterInnen
- Mietpreisbindung
- Das Recht, spekulativ leerstehenden Wohnraum zu nutzen
- kein Verkauf von öffentlich gebauten Häusern
- verstärkter Ausbau des sozialen Wohnungsbaus
- Das Recht, bei Mietmängel die Miete zu mindern
- Kostenlose Zurverfügungstellung von kommunalem Land z.B. für Gemeinschaftsgärten (Almende)

im Zusammenhang mit Migrationsbewegungen
- Das Recht auf Bleibe für Alle
- Das Recht auf Zuzug für Alle, die hier leben wollen, insbesondere für MigrantInnen aus dem nicht EU-Ausland
- Geschützte Räume für Frauen und Migrantinnen ohne Papiere

für Alle

Freier Zugang zu den Ressourcen unserer Stadt
- Kulturelle Einrichtungen
- öffenliche Verkehrsmittel
- gastronomische Einrichtungen
- kostenlose Bibliotheknutzung, Schwimmbäder, Theater, Museen, ect..
- Barrietrefreier Zugang zu allen öffentlichen Gebäuden
- Mehr nichtkommerziele öffentliche Räume.
- Kostenlose Basisversorgung der Privathaushalte mit Trinkwasser und öffentliche Trinkstellen
- Kostenlose Baisversorgung der Privathaushalte mit Strom
- Kostenlose öffentliche Toiletten
- Kostenloser Zugang zu Gesundheitszentren.
- Rücknahme von Privatisierungen und Verbot von PPP und Cross-Border-Leasing-Projekten
- Geburtshäuser und Hebammen in jedem Stadtteil
- Weiterentwicklung von Schulen und Rathäusern zu Stadtteilzentren mit
- Unabhängigen Jugendzentren und/oder Bürgerzentren mit freiem Internetzugang
- Verkehrsvermeidende Infrastruktur, Entschleunigung“

love the freak – Lesung & Videoclips zu Coney Island & NYC

----------- Love the Freak ------------

Lesung & Videoclips zu Coney Island & NYC
Fr 4.11.11 ~ 20:00 ~ cafe munck, gilbertstr. 60, hamburg-st. pauli

Am Boden angekommen – der in die Jahre gekommene Luna Park mit seinen vom Meerwind verwitterten Farben. Ein Ort, dem man das Geworden-Sein von Stadt ansieht. Bis in die 1990er Jahre hinein galt Coney Island als zu gefährlich für TouristInnen. Ein handgemalter Shrimps mit Frack & Fliege preist seinen Verzehr an. Jemand bietet schlechte Tatoos an. Ein paar Drag-Queens bereiten sich auf die Meermaid-Parade vor und basteln an trashigen Kostümen. Keine Identität kann sich sicher sein, die einzige zu sein. Ein Nebeneinander von Nichthegemonialem, so scheint es.

Nicole Vrenegor liest aus: „heute habe ich den himmel und lenin gesucht. notizen aus new york city”, das im Juni 2011 im Sprung Verlag erschienen ist. Dazu gibt‘s Filme, Diskussionen und Austausch über Coney Island & New York City. Sprung Verlag ~ www.sprung-verlag.de

Eins auf den Deckel bekommen

Was den Schreberspacken, den KleingärtnerInnen in Altona und Bahrenfeld, da zugespielt wurde, ist ein echter Hammer. Die BSU hat eine bekannte PR-Agentur beauftragt, ein Gutachten zu erstellen, wie sie die Erweiterung und Deckelung der A7 am besten gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern durchdrücken können. Es wird munter manipuliert, halb- und gegeninformiert, damit alle schön brav die mit dem Megaprojekt verbundenen Kröten (jahrelanger Dauerstau, Zerstörung von Grünflächen, Kostenexplosion, Mietsteigerungen) schlucken. Dafür werden alle Register gezogen. In Kindergärten sollen Kinder bunte Bilder zum Thema „Autobahn unter dem Deckel“ malen. Diese sollen dann im Krisenfall dazu verwendet werden, „die Aufregung herunter zu kochen“.

Meine „Lieblingsmaßnahme“ ist folgende: „Die BSU verschickt an Anwohner rund um die Autobahn (alle, die laut Immissionsstudie profitieren) eine gestaltete Postkarte / Brief mit angehängten / beiliegenden Ohropax. Die Botschaft lautet, dass die kommenden Lärmschutzmaßnahmen eine grundlegende Aufwertung der Lebensqualität bedeuten – das beiliegende Ohropax verdeutlicht dies und macht den Nutzen der Deckel erlebbar. Zielgruppe: Anwohner an und um die Autobahn (je nach prognostiziertem Baulärm nicht an die Anwohner direkt an die Autobahn, die den Versand von Ohropax als zynisch empfinden könnten)

Ein Großteil der Empfehlungen widmen sich dem „Kommunikativen Ansatz“, also dem Problem, wie man Presse und Öffentlichkeit möglichst gut eindeckelt. Da fließt jede Menge Geld in Broschüren, Newsletter und persönliche Journalisten-Schulungen fürs richtige Berichten. An die KriterInnen wird natürlich auch gedacht. Sie werden überwacht, ein wenig gehätschelt, um sie dann noch konsequenter als Deppen auflaufen lassen zu können. Schließlich heißt dieser Punkt nicht umsonst: „Symbolik“: Es verändert sich durch Kritik nix, aber wir tun mal so und am Ende gibt’s ne schöne Dokumentation! Im Speech der Pr-Agentur: „Die BSU muss sich offen gegenüber Bürgerinitiativen und Kleingärtnern zeigen, deren Kritik aufnehmen sowie weitere Multiplikatoren frühzeitig einbinden und informieren, damit nie der Eindruck entsteht, dass Bürger ignoriert und übergangen werden. Dies muss öffentlich dokumentiert werden und sollte weit über die gesetzlich vorgeschriebenen Beteiligungsverfahren hinausgehen“.

Als notorische KritikerInnen und unbelehr- bzw. unmanipulierbar gelten die Recht-auf-Stadt-Initiativen, die nun unter besonderer Beobachtung stehen: „Kritische Initiativen wie Recht auf Stadt (bzw. die unter dieser Plattform agierenden Gruppierungen) positionieren sich eher als Fundamental-Opposition. Kooperationen erscheinen nicht möglich. Dennoch können diese Initiativen durch ihre Vernetzung, ihre plakative Ausdrucksweise gegenüber der Presse sowie ihren Zugang zu kritischeren Medien ein Risiko darstellen. Aus diesem Grund sollten Äußerungen oder Veranstaltungen weiterhin beobachtet werden. Bei einer möglichen medialen Berücksichtigung sollte dann über proaktive Pressearbeit reagiert werden.“ Und zudem müsste man diesen Initiativen doch mal eine gehörige Portion Ohropax ins Kritkermaul stopfen…

Dies ist nur ein kleiner Vorgeschmack. Vielen Dank an die chronisch weiter bohrenden Schreberspacken für die Bereitstellung der aufschlussreichen Informationen, die ich (obwohl es mir in den Fingern juckt) nicht noch weiter kommentiere. Ich vertraue auf mündige Lesende und jede/r kann sich selbst ein Bild machen über die neue Strategien zur Durchsetzung von umstrittenen städtischen Großprojekten: http://is.gd/4RMYHB

116.000 gegen Vattenfall & Senat

„Über 116.000 Hamburgerinnen und Hamburger unterschreiben für eine vollständige Rekommunalisierung der Hamburger Energienetze. Und für: … ,eine verbindlich sozial gerechte ,klimaverträgliche und demokratisch kontrollierte Energieversorgung aus erneuerbaren Energien in Hamburg‘. Damit hat sich das Volksbegehren „unser Hamburg – unser Netz“ eindrucksvoll durchgesetzt. Und das auch trotz einer massiven Gegenkampagne – gerade in den letzten Wochen.“ (…)

Weitere Infos: www.moorburgtrasse-stoppen.de

Energiewende trotz Schmutzkampagne

Noch bis Mittwoch können für das Volksbegehren „Unser Hamburg unser Netz“ Unterschriften gesammeln werden, und es sieht wohl schon ganz gut aus! In der Stadt verteilt, gibt’s am Wochenende jede Menge Infostände, unzählige Sandwich-Menschen mit Unterschriftenzetteln sind auf Fahrrädern oder zu Fuß unterwegs. Ein Wahnsinnsprojekt für das parteiunabhängige Bündnis aus Umweltverbänden, Bürger- und Verbraucherinitiativen und Kirchen, das eben nicht auf die Unterstützung machtvoller Institutionen bauen kann, sondern alles selber machen muss.

Schon jetzt wird klar: Vattenfall wird nervös und schaltet Anzeigen, die Angst machen sollen. Die Plakate der Initiative werden mit leicht abgeändertem Anzeigenmotiv in Nacht und Nebel Aktionen überklebt. Olaf Scholz zeigt seine Verbundenheit mit dem Energieriesen und steigt für Vattenfall in den PR-Ring. Die SPD zerstreitet sich intern an der Frage und Wir-wollen-lernen-Walter Scheuerl (CDU) hat nix gelernt und meint, den BUND mit abstrusen Klagen belegen müssen.

Hilft nix, zeigt nur, wie machtvoll das ist, was hier verhandelt wird. Es geht um die Rekommunalisierung der Versorgungsnetze von Strom, Fernwärme und Gas! Eine Energiewende von unten und ernst gemeint.

Zurück zum Salon

Die taz hat am Mittwoch drüber berichtet, die Mopo einen Tag später unter der Überschrift „Klassenkampf im Pudelclub“, ich bin also für ’nen Blog hoffnungslos zu spät… Dennoch hier die News: Der Pudelclub und der Salon haben sich getrennt. Endgültig. Tischtuch zerschnitten. Tapete ab! Ich hänge meiner Trauer nach und denke an die vielen Nachmittage, die ich im Salon verbracht habe. Draußen Nieselregen, drinnen Rumlümmeln auf Eckbänken mit Kissen im Rücken. Tee trinken oder Kaffee oder auch mal Nichts. Warten. Sich Unterhalten. Schiffe gucken. Im Archiv stöbern. Tapete gucken: Ob sich Rosa Luxemburg, Romy Schneider und Simone de Beauvoir verstanden hätten? Oder Marx mit Muhammad Ali? Abends dann der Übergang – gedämmtes Licht und gedrängte Konzerte vor krasser Kahn- und Krankulisse.

Vor einer Woche hat nun eine neue Geschäftsführerin mit altem Besitzer einen Laden eröffnet, der vor allem Restaurant sein will. Auch wenn Richter in der taz beteuert: „Wir wollen hier weiter einen skurrilen, komischen Ort. Einen Ort der Gegenkultur und Kunst“, viel interessanter ist das, was hinzugefügt ist: „Der aber müsse sich rechnen, was er zuletzt nicht getan habe“. Darin liegt der unüberbrückbare Widerspruch: Das Sich-Rechnen-Müssen, Umsatz machen, Mehrwert schaffen, eben ein ganz normaler kapitalistischer Betrieb sein wollen.

Und das ist neu, denn rechnen musste sich der Salon bisher nicht, sondern er wurde über die biertrinkenden Nachtschwärmenden aus dem Untergeschoss mitgerechnet. Das Problem liegt hier aber tiefer und zwar in den Besitzverhältnissen, die eben keine kollektiven sind. Da beißt die Maus keinen Faden ab: Der Pudel ist ein privatwirtschaftliches Unternehmen von zwei Kumpeln, die damals den Laden gekauft und sich nun über die Ausrichtung des komischen Ortes zerstritten haben.

Zurück zum Salon kann also nur heißen: Hin zur Genossenschaft. Alles andere wäre Fassadenmalerei.

Jammerjaulen statt Kriegsgeheul

Oh, wie schön ist Jammern und das konsequente Draußen-bleiben als politisches Zeichen! Ein Danke-Schön an das Schwabinggrad Ballett für ihren exzellenten Auf- bzw. Abtritt heute morgen vor der Körberstiftung in Hamburg. So wurde der Beginn des Symposiums „Die Kunst der Intervention“, eine von der HFBK organisierte Lagebesprechung zwischen Kunst & Militär, gebührend beklagt, denn allein die Tatsache, dass sich hier so viele zum ungezwungenen Plaudern einfinden, ist jämmerlich. Aus dem Statement des Schwabinggrad Balletts:
„Wir versuchen, unsere ,Freunde‘ aus der Kulturszene davon abzuhalten, mit der Bundeswehr darüber zu räsonnieren, wie ,aktives Eingreifen soziale Wirklichkeit‘ verändert. Kurator Friedrich von Borries rennt aufgescheucht herum und lädt uns ein, doch am Podium teilzunehmen. Wir aber klagen lieber: ,Amelie, komm raus! Wehe du bringst Schwabinggrad ins Spiel! Not in our Name!‘ (an Amelie v. Deuflhard, Kampnagel-Intendantin) ,Matthias, verlass sofort das Podium!‘ (an Matthias v. Hartz, Internationales Sommerfestival, Kampnagel), ,Ligna, ward ihr nicht mal antideutsch? Und demnächst Radioballett in Kundus?‘ (an Ligna, Künstlergruppe).“

Ein kurzes Video der Aktion gibt’s auch. Interessant ist die Reaktion des Kurators, der außer dem krampfhaften Versuch, der Einbindung der Kritik keine andere Möglichkeit findet, mit dieser umzugehen. Dabei hatte bereits der Asta der HFBK im Vorfeld die Teilnehmenden angeschrieben und sie aufgefordert, ihre Teilnahme aufgrund der kriegslegitimierenden Funktion des Symposiums abzusagen. Die Leute, die also dort heute reinspaziert sind und geredet haben, taten dies im vollsten Bewusstsein, hier eine Mission erfüllen zu müssen.

KunstKiller: Das Symposium „Die Kunst der Intervention“

Die Bundeswehr bedient sich wie jede Armee eines riesigen PR-Apparats, der zeigen soll, wie zivil & zivilisiert man doch sei, eben ein ganz normaler Arbeitgeber. Das bißchen Krieg hier & dort heißt verharmlosend Intervention, und was da nun in Hamburg von der HfBK unter dem Stichwort „Intervention“ zu einem Symposium zusammengerührt wird, hat es in sich: „Das Konzept der ,Intervention‘ wird gegenwärtig in unterschiedlichen Gesellschaftsbereichen diskutiert. Ob als militärische, politische oder künstlerische Intervention, stets soll aktives Eingreifen soziale Wirklichkeit verändern – und zwar möglichst zum Besseren, wie auch immer dies definiert und normativ begründet ist.“

Ob Demo, Kunstperformance oder militärischer Einsatz – alles steht also gleichberechtigt nebeneinander im Dienst der guten Sache. Den Veranstaltern geht es darum, „innovativen Dialog zwischen Gesellschaftsbereichen zu bieten, die in der Regel wenig Austausch pflegen“. Und so trifft Hans-Werner Fritz, Kommandeur der Division Spezielle Operation (DSO), bis Februar 2011 Regionalkommandeur Nord der „friedenserzwingenden ISAF“ in Afghanistan, z.B. auf Torsten Michaelsen von der Künstlergruppe LIGNA (Hamburg) sowie auf Wolfgang Zinggl & Martina Reuter von Wochenklausur (Wien). Am 15. Juni plaudert man in lockerer Atmosphäre über die verschiedene Praxen der Intervention, die doch alle nur auf ihre besondere Art die Welt ein Stückchen besser machen wollen.

Die DSO ist dabei keineswegs eine konsensschaffende Kuscheleinheit der Bundeswehr, sondern der ausführende militärische Arm der Kriegseinsätze. Ein Teil der DSO ist das so genannte Kommando Spezialkräfte (KSK), eine Eliteeinheit von Kampfsoldaten, die im Geheimen agiert und darauf spezialisiert ist, so die offizielle Arbeitsplatzbeschreibung, „in der Tiefe des feindlichen Raumes agieren können“.

Der Begriff „Out of Area“ bekommt hier eine neue Aufladung, wenn ich mir vor diesem Hintergrund die Selbstbeschreibung der beiden am Symposium beteiligten Kunstgruppen durchlese:
WOCHENKLAUSUR: „Seit 1993 entwickelt die Gruppe kleine, aber sehr konkrete Vorschläge zur Verringerung gesellschaftspolitischer Defizite und setzt diese Vorschläge auch um. Künstlerische Gestaltung wird dabei nicht mehr als formaler Akt sondern als Eingriff in unsere Gesellschaft gesehen.“
LIGNA: „Allen Arbeiten von LIGNA ist gemein, dass sie ihr Publikum als zerstreutes Kollektiv von ProduzentInnen begreifen. In temporären Assoziationen kann es unvorhersehbare, unkontrollierbare Effekte hervorbringen, die die Ordnung eines Raumes herausfordern.“

Rette sich wer kann: Kunst & Militär im innovativen, interdisziplinären Anmarsch: Mittwoch, 15. Juni 2011, KörberForum Kehrwieder 12 in Hamburg.

Gestern im Gängeviertel

Gestern im Gängeviertel ging’s um den Knochen. Blau war die Farbe des Wochenendes. Überall kündigten Plakate den Recht-auf-Stadt-Kongress an, der vom 2.-5. Juni an verschiedenen Orten in Hamburg stattfand. Um die 600 Kongressteilnehmende tummeln sich in der Stadt. In der Loge diskutieren rund 30 Leute, wie das Internet für die Mobilisierung von städtischen Protest genutzt werden kann. Gleich nebenan fasst der Raum nicht alle, die über Armut und Verdrängung reden wollten. Macht nix, denn noch mehr Menschen sitzen eh in den Gängen vor den Häusern und der Kongress verlässt die Räume und entert die Straße.

Ein Teppich aus Stimmen, auch mal Englisch, Niederländisch oder ’ne Prise Switzerdütsch. Ich lasse mich treiben, bleibe mal hier und mal da hängen. Stundenlang. „Warst du auf Workshop zu Ägypten?“ „Die Barkassenfahrt zur Umstrukturierung des Hafens war der Hammer.“ „Meine Füße tun weh vom ganzen Rumlaufen.“ … In der Jupi Bar läuft auf einem der sechs Bildschirme ein Dokumentarfilm über Obdachlose in Japan. Eine ungewöhnlich zusammengestellte Bilderflut in der liebevoll dekorierten Kneipe mit selbstgebastelten Bücherregalen und Spitzendeckchen-Kaffeeklatsch-Atmosphäre. Im Innenhof gibt es was Leckeres zu essen. Viele stehen Schlange ins Gespräch vertieft. Das Bier ist noch oder schon wieder warm.

Die Zeit zerfließt, ich zumindest hab kein Zeitgefühl. Die Beleuchtung wechselt von Sonnenlicht in Abenddämmerung. Die Open-Air-Abendveranstaltung über Aneignung und Besetzung verpasse ich. Eine Häuserwand aus Pink/Blau/Grün/Gelb – in extrem schmalen Streifen aufgetragen – knallt mir ins Auge. Laternenlicht aus unzähligen Quellen spiegelt sich in dem glatt gebügelten Gebäude gegenüber. Fassade trifft auf Gegen-Fassade.

Gekonntes Chaos und das Talent, eine Summe von Möglichkeiten zu ermöglichen: das Gängeviertel kurz vorm zweijährigen Geburtstag. Der Kampf um städtische Räume lohnt sich. Mehr davon – in Hamburg und überall!

Die Stadt – von den Rändern gedacht

Was ist eigentlich dieses ominöse Recht auf Stadt? Wer hat oder bekommt es? Wie sähe eine Stadt aus, in der das Recht auf Stadt verwirklicht ist? Wie nehme ich mir das Recht auf Stadt und wird dann alles gut? Was hat mit einem Recht auf Stadt so rein gar nix zu tun? – Ein Bilderreigen.

Das Foto ist aufgenommen bei einer Demonstration gegen Leerstand in Hamburg 2010. In Hamburg gibt es eine Wohnungsnot, während gleichzeitig über eine Millionen qm2 Bürofläche leer stehen. Und nach wie vor wird Büroraum (der steuerlich absetzbar ist) gebaut. Der Luftballon schwebt vor einem fast unvermieteten noblen Bürogebäude auf St. Pauli. Was man hier nicht sieht ist, dass unten Polizeibeamte den Turm vor den Demonstrierenden abschirmen. Was an dem Bild deutlich wird ist der Konflikt: Während mit Büroraum immer noch Profite gemacht werden, selbst wenn er unvermietet bleibt, verzweifeln diejenigen, die in der Hansestadt günstigen Wohn- und Arbeitsraum suchen und sich die explodierenden Mieten nicht mehr leisten können. Die 3.000 Menschen, die hier symbolisch Einlass in den Turm fordern, fordern neben günstigen Wohnraum auch eins: mitzubestimmen, wie ihre Stadt gestaltet werden soll.

Kurz zum Begriff: Der Begriff Recht auf Stadt geht zurück auf den französischen Philosophen Henri Lefèbvre, der bereits in den 1960er Jahren beobachtet hatte, wie vor allem MigrantInnen an den Rand der Stadt verdrängt wurden. Daraus hat er die Forderung nach einem kollektiven Recht auf Stadt abgeleitet. Es ist ein Recht auf Zugang zu den Ressourcen einer Stadt, ein Recht auf Zentralität, auf Teilhabe und – ganz wichtig – ein Recht auf Differenz, auf Unterschiedlichkeit, auf anders sein können, also genau das Gegenteil eines Normiert-Werdens. Es ist das Gegenteil einer Homogenisierung, die doch so symptomatisch für die neoliberale Stadt ist.

Oft wurde das Verhältnis des Menschen zur Stadt als entfremdet erlebt und beschrieben. Man denke an Engels Beschreibungen des frühkapitalistischen Londons mit seinem unglaublichen Elend, an die Expressionisten oder an Mitscherlichs Analyse der „Unwirtlichkeit unserer Städte“. Für mich am eindrücklichsten thematisiert die Entfremdung in Stadt die feministische Künstlerin Valie Export. In einer Fotoreihe, die von Anfang bis Mitte der 1970er Jahre entstand, sucht sie sich Orte in der Stadt und versucht, im wahrsten Sinne des Wortes, sich dazu zu verorten und ihren Platz zu finden. Hier zu sehen, die Arbeit „Einkreisung“ von 1976:

Einen Ort in der neoliberalen Stadt zu finden, ist schwierig, da Stadtplanung und Politik sich nicht am Gebrauchswert von Stadt orientieren – also daran, wie ein möglichst gutes Leben für alle ermöglicht wird – sondern am reinen Tauschwert: Wie kann Profit maximiert werden? Ich konsumiere, also darf ich sein. Wie könnte eine Stadt aussehen, die nicht entfremdet, die nach den Bedürfnissen der BewohnerInnen gestaltet wird? Wie sieht eine Stadt aus, in der alle Menschen Zugang zu den Reichtümern haben, die eine Stadt hervorbringt? Kurz: Wie sieht eine sozialere, gerechte Stadt aus?

Diese Frage wurde den Parteien vor der letzten Bundestagswahl gestellt. Sie sollten für das Hamburger Miniaturwunderland (ein Museum aus Lego) jeweils ein Modell erstellen und dabei ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Die Frage war: Wie würde – aus Sicht der Partei – das ideale Land aussehen, wenn ihr frei gestalten könntet? Utopia 2009 hieß das Projekt, und jede Partei hatte einen Quadratmeter Land dafür zur Verfügung. Wow! Was für eine Chance, die Stadt mal jenseits von Haushaltsplanungen und realpolitischen Überlegungen zu denken: Die Utopie einer ganz anderen Stadt zu entwickeln; ein (in Anlehnung an Bloch) „Noch-Nicht im Sinne einer Möglichkeit“. Da lasse ich mich doch gern von unseren Volksvertreterinnen und -vertretern inspirieren. Wie sähe also eine Stadt aus, in der ein Recht auf Stadt verwirklicht ist?

Die CDU erhält den ersten Preis für Abstraktion. Wir sind das Volk. Ein Land aus vielen Menschen, die Fähnchen hochhalten, darauf steht: „Arbeit für alle“, „Sicher leben“, „Die Krise überwinden“ oder „Integrationsland“. Interessanter Weise wird dieses Fähnchen von den einzig nicht-weißen Figuren auf dem Modell gehalten. Praktisch, da weiß man gleich, wer sich wo integrieren soll; Weiter zur CSU.

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Klares Motiv: Bayern in Berlin mit Oktoberfest und Blaskapelle. So sieht das also Idealland der CSU aus: Dirndl und Maß Bier für alle! SPD und FDP? Gäh, das lass ich wegen vergleichender Irrelevanz hier mal weg. Eine Verbindung gibt es jedoch zwischen beiden Entwürfen: Während im Modell der SPD ein Kindergarten aus städtischen Mitteln bezahlt wird, baut man bei der FDP stolz mit „privaten Geldern“. Utopia – ich hör dir trapsen! Der unaufhaltsame Abwärtstrend dieser beiden Parteien ließe sich sicherlich auch mit dieser Fantasie- und Perspektivlosigkeit erklären . Weiter geht’s:

Hier unschwer zu erkennen, der Entwurf de Grünen. Kaum verwunderlich mit viel Natur- und Solarzellen in der Stadt. In dem Haus vorne links mit dem grünen Dach tagt oben ein Vorstand, der als Vorsitzende eine Frau hat; Das folgende Detail möchte ich euch nicht vorenthalten: Punk trifft Polizei und es kommt zu einer historischen Versöhnung am Biertisch:

Und die Linke? Welche Utopie von Stadt verfolgen die Genossinnen und Genossen?


Welch Überraschung! Es ist Berlin! Es wird demonstriert für Gerechtigkeit, gegen Privatisierung und gegen Nazis. Vielleicht auch gegen Rot-Rot in Berlin, wer weiß das schon so genau? Das Leben als Dauerdemo. Also, ich kann mir Besseres für die Zukunft vorstellen. Gregor Gysi war zur Einweihung des Modells in Hamburg und fand es ganz pfiffig, dass die LINKE sich der Aufgabe widersetzt hat. Ich finde: Ganz schön erbärmlich, eine Linke, die sich nicht mehr traut, utopisch zu denken.

Warum ich das zeige? Ich möchte euch einladen, über den Tellerrand der Realpolitik hinauszublicken und zu überlegen, wie eine grundsätzlich andere Stadt aussehen könnte. Bauen wir im großen Stil Wolkenkuckucksheime, die ihre Realisierung suchen und finden. Meiner Erfahrung nach wird in stadtpolitischen Diskussionen viel zu schnell in den realpolitischen Gang runter geschaltet, statt mal in die Gänge oder die Luftschlösser einer völlig anderen Stadt zu kommen und davon ausgehend um eine Materialisierung einer ganz anderen Stadt zu kämpfen. Auch Henri Lebfebvre wurde in einem Interview gefragt, wie sieht eine utopische Stadt aus? Er geriet ins Stocken: Man müsste als erstes die Sprache neu erfinden, um dies überhaupt formulieren zu können, sagte er, unser ganzes Denken, unsere Vorstellungen über die Stadt sind durchzogen von einer kapitalistischen Logik, von Kategorisierungen und Ausschlüssen.

In einer hierarchischen Gesellschaft gibt es keinen Raum, der nicht hierarchisch organisiert ist. Dies gilt z.b. für das klassische Setting eines Podium, wo das Publikum mehr oder weniger durch die Raumordnung dazu gezwungen ist, mir zuzuhören. Dies gilt aber auch für die Stadt insgesamt. Soziale Fragen sind immer im Raum eingeschrieben. Raum ist weder eine vor- noch eine nachgeschaltete Instanz des Sozialen. Das Soziale entfaltet Raum und erschafft Raum. Und: Ein städtisches Programm, das tatsächlich die Menschen und ihre Bedürfnisse an die erste Stelle setzt und eben nicht die Ökonomie, wird das kapitalistische System von sich aus nicht hervorbringen. Schließlich geht es um die heiligste Kuh der Privatwirtschaft überhaupt: den Besitz von Boden und Immobilien. Der US-amerikanische Geograph David Harvey spricht aus diesem Grund auch davon, dass wir uns das Recht auf Stadt erkämpfen müssen. Es geht um Aneignung und um eine Umverteilung der gesellschaftlichen Reichtümer.

So viel ist klar: Es kann kein fertiges Modell von Stadt im Sinne einer Idealstadt geben. Stadt ist nichts Statisches, sondern in Bewegung. Die Utopie einer ganz anderen Stadt ist ortslos. Es geht also nicht um das Auspinseln eines neuen, städtischen Fertighauses, sondern darum, mehr Sensibilität zu entwickeln in Bezug auf die eigenen Ausschlüsse und Begrenzungen. Recht auf Stadt ist keine Masterplan, der sich von oben durchdrücken lässt. Es ist das Gegenteil einer Politik, die immer schon weiß, was das Richtige für alle ist und wie die Stadt auszusehen hat. Kein Leitbild, kein 5-Jahresplan und erst recht keine Computersimulation, wie sie InvestorInnen, StadtplanerInnen und ArchitektInnen so lieben, bei der man durch glitzernde 3-D-Welten fliegt – vorbei an virtuellen Mittelschichts-Mehrheitsgesellschafts-Menschen, die in ihrer auffälligen 0815-Konformität einen Blick auf den verengten planerischen Horizont geben.

Henri Lefebvre ging davon aus, dass neue Raumerfahrungen auch zu Sprüngen im politischen Bewusstsein führen können. Gleichzeitig können bestimmte Räume auch Ohnmacht herstellen. Er empfahl (in Anlehnung an die Situationisten) die Stadt genau zu erkunden und Umherzuschweifen /dérive. Ich schlendere also durch den Raum. Wie wirkt er auf mich? Einschüchternd? Vertraut? Ich flaniere durch die Stadt, suche meinen Platz. Passt es? Wie soll die Stadt sein? Was wünsche ich mir? Was wünschen sich andere? Wer verschafft sich mit seinen Interessen Gehör? Passe ich hier rein? Wer darf hier sein und wer nicht?

Ich hab noch ein weiteres Bild mitgebracht. Ein Ort an dem für mich – ganz subjektiv (!) – das Möglich-Unmögliche einer anderen Stadt durchschimmert: das Wonder Weel in Coney Island. Wichtig: Es schimmert durch, es deutet und regt an – es ist keine Realisierung!

Am Rand von New York gelegen, am äußersten Zipfel von Brooklyn, direkt am Meer. Ich steige in die bunte Gondel, die swingt und fahre an den braunen Sozialbauten entlang in die Höhe. Ein Blick, den unendlich viele EinwandererInnen, die in New York ihr Glück suchten, hatten. In weiter Ferne: Manhattan. Sehnsuchtsort, Verheißungen von Erfolg und die Angst, vor der Brutalität des Scheiterns. Am Boden angekommen: Der in die Jahre gekommene Luna Park, vom Meerwind verwitterte Farben, ein Ort, dem man das Geworden-Sein von Stadt ansieht. Bis in die 1990er Jahre hinein galt Coney Island als zu gefährlich für TouristInnen. Ein handgemalter Shrimps mit Frack & Fliege preist seinen Verzehr an. Jemand bietet schlechte Tatoos an. Ein paar Drag-Queens bereiten sich auf die Mermaid-Parade vor und basteln an trashigen Kostümen. Keine Identität kann sich sicher sein, die einzige zu sein. Die Stadt von den Rändern gedacht – ist brüchig, hybride, durchlässig. Das Nichtthematisierte, Ausgegrenzte fordert vehement seinen Platz. Alles, war entsteht, ist bereits im Entstehen wieder im Begriff zu zerfallen. Eine Stadt aus Leidenschaft, eine Stadt in permanenter Veränderung, eine Stadt der verdichteten Unterschiedlichkeit.

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* Diesen Input hat Nicole Vrenegor Mitte März 2011 auf dem Kongress „Wem gehört die Stadt“ der Linken Ratsfraktion in Düsseldorf gehalten.
** Den Lunapark gibt es in dieser Form nicht mehr. Der Park wurde 2010 umgestaltet, das Gelände wurde eingezäunt, vieles wurde abgerissen und einem „Launch“ unterzogen. Die Homepage lässt zumindest nichts Verwittertes mehr vermuten.

Einladung: Recht-auf-Stadt-Kongress, Hamburg, 2.-5.6.11

Das Städtische definiert sich als der Ort, wo die Menschen sich gegenseitig auf die Füße treten, sich vor und inmitten einer Anhäufung von Objekten befinden, wo sie sich kreuzen und wieder kreuzen, bis sie den Faden der eigenen Tätigkeit verloren haben, Situationen derart miteinander verwirren, dass unvorhergesehene Situationen entstehen.“ (Henri Lefebvre)

Das Hamburger Netzwerk Recht auf Stadt lädt ein zur kollektiven Verwirrung, Begegnung, und Zerstreuung. Über verschiedene Orte der Stadt verteilt, findet vom 2.-5. Juni 2011 jede Menge Geplantes & Ungeplantes statt. Seid dabei und:
* bildet Situationen & Banden
* streift durch die Stadt & diskutiert durch die Nacht
* feiert auf dem Asphalt & analysiert den städtischen Abgrund
* zerlegt die eigene Praxis & rettet das utopische Potential
* kommt zum Recht-auf-Stadt-Kongress und bringt eure Nachbarinnen und Nachbarn mit.

Mit dabei sind u.a.: Manal Tibe Egyptian Centre on Housing Rights aus Kairo; Andrés Antillano vom Movimiento de Pobladores aus Caracas; VertreterInnen von Abahlali aus Südafrika (Bewegung der HüttenbewohnerInnen); AktivistInnen von IMECE/Istanbul; Yvonne P. Doderer (Büro für transdisziplinäre Forschung & Kulturproduktion) aus Stuttgart; Carla Rodriguez von Moi (Movimiento de Occupantes e Inquilinos) aus Buenos Aires; VertreterInnen vom Movement for Justice in El Barrio/New York; eine Vertreterin von Ir Lekulanu (Stadt für Alle) aus Tel Aviv (angefragt); Stadtlabor Zürich, Wu Meng und Zhao Chuan von Grass Stage aus China und viele, viele mehr.

Der Kongress wird veranstaltet vom Netzwerk Recht auf Stadt Hamburg, von der Bundeskoordination Internationalismus (BUKO), den Freundinnen und Freunden des Centro Sociales und stadtpolitisch Aktiven aus anderen Städten. http://kongress.rechtaufstadt.net/

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Right to the City. The Congress. June 2nd to 5th 2011 at Hamburg

„The urban is defined as the place where people walk around, find themselves standing before and inside piles of objects, experience the intertwining of the threads of their activities until they become unrecognizable, entangle situations in such a way that they engender unexpected situations.“ (Henri Lefèbvre: La révolution urbaine, P. 39)

The „Network Right To The City Hamburg“ invites to collective confusions, encounters and diversions. At different places spread over the city, on june, 2nd to 5th 2011 a lot of planned and unplanned will take place.

Join us and:
* create situations & crowds
* roam through the city & discuss through the night
* celebrate on the concrete & analyse the urban abyss
* disassemble your very own practices & save utopian potentials
* join us at the „Right To The City Congress“ and bring along your neighbors.

With: Manal Tibe from Egyptian Centre on Housing Rights/Kairo; Andrés Antillano from Movimiento de Pobladores/Caracas; activists from Abahlali/South Africa; activists from Imece/Istanbul; Yvonne P. Doderer/Stuttgart; Carla Rodriguez from Movimiento de Occupantes e Inquilinos/Buenos Aires; activists from Droit au logement and No Vox/France; representatives of Movement for Justice in El Barrio/New York, a person from Ir Lekulanu (city for all)/Tel Aviv (inquired), Stadtlabor/Zürich; Wu Meng and Zhao Chuan from Grass Stage/China an many many more.

The Congress is organized by Netzwerk Recht auf Stadt Hamburg and Bundeskoordination Internationalismus (BUKO) together with many urban activists from other cities. Informations: http://kongress.rechtaufstadt.net/

Schrankwand – ein Filmabend über das Wohnen

Die Wohnung gilt als die Sphäre des Privaten schlechthin, als Rückzugsort in einer kalten Welt, als Ausdruck der eigenen Identität: Hier lebe ich – hier darf ich sein. Auch wenn die Idylle vom heimischen Nest trügt, der Mythos lebt. Kaum ein Bereich des gesellschaftlichen Lebens wird so strukturkonservativ gedacht wie das Wohnen, so unsere These. Nicht wenige Linke kopieren in „ihrem“ Wohnen einen großbürgerlichen Wohnstil des letzten Jahrhunderts in Altbauwohnungen mit Kronleuchtern und Holzdielen. Und nicht selten scheitern kollektive Versuche des gemeinsamen Wohnens an individuellen Differenzen und Unvereinbarkeiten.

Das Private ist Politisch: ja! Aber wie kann dem Bedürfnis nach „eigenem“ Raum Rechnung getragen werden ohne dabei einen völlig privatisierten Raum zu schaffen? Wie offen und flexibel wird das Wohnen gedacht? Und überhaupt: Wer schließt sich warum, zu gemeinsamen Wohneinheiten zusammen? Darüber und über noch viel mehr möchten wir in lockerer Atmosphäre plaudern. Wir zeigen Filme über das Wohnen, dazu knabbern wir Chips, nippen an Kaltgetränken und solidarisieren uns – by the way – mit der Flora, denn an diesem Montag (28.3.) läuft die Kaufvertragsbindung aus. Ändern tut sich dadurch nix: Die Flora bleibt unverträglich und ist nach wie vor eins unserer lieb gewonnenen Wohnzimmer der Stadt.

Seid eingeladen, macht es euch bei uns gemütlich am:
Montag, 28.3, 19 Uhr im Centro Sociale, Sternstr. 2, Hamburg,
GastgeberInnen: Leute aus dem Centro Sociale und vom BUKO Arbeitsschwerpunkt StadtRaum Hamburg (www.buko.info).

Hafencity: Ist das die Simulation oder gilt das schon?

11:04 Für einen Monat jobbe ich tageweise in der Hafencity und soll dort was beaufsichtigen, was nur wenige besichtigen wollen. So sitze ich an meinem Laptop im Ausstellungsraum und beobachte die Szenerie von innen heraus. Es ist ein typischer grauer Hamburger-Wetter-Tag: kaum Regen, keine Sonne, kräftiger Wind. Umringt von Gebäuden mit Glasfronten aus großen und kleinen Fenstern, blicke ich in unzählige Büros, die größtenteils unbewohnt und unbearbeitet wirken. Die dominierenden Farben sind silber und betongrau, gepaart mit diversen Simulationen von Rotklinker, die das Thema „Speicherstadt“ wiederaufnehmen, so meine Vermutung. Zitiert wird hier viel, am liebsten „maritime Elemente“ wie Bullaugen, Wellen oder Schiffsbuge. Die Straßenlaternen zum Beispiel erinnern an Hafenkräne oder auch an dänische Schreibtischlampen – wer weiß das schon so genau?

11:19 Kommen wir zu den Menschen. Die Hafencity ist ein Arbeiterviertel, zumindest arbeiten hier viele im Viertel. Fangen wir an mit dem weit verbreiteten Typ des Hausmeisters, der oft in Gruppen auftritt: zwischen 30 und 50 Jahre alt, blaue funktionale Kleidung, schneller Schritt, schwarz abgesetzte große Hosentaschen. Nicht zu verwechseln mit der Security, die – zwar ebenfalls in Blau – eine mit auffallenden Leuchtstreifen verzierte Kleidung trägt. Gerade geht ein FedEx-Kurier vorbei und gesellt sich zum Kollektiv der blau gekleideten Arbeiter ohne Innen.

11:36 Weiter mit den Handwerkern. In Funktionswesten, auch mal in Grau und Rot, und in Hosen aus braunem Kord steigen sie aus Kombis und kleinen Transportern, auf denen Innenausbau, Elektrik oder schlicht der Firmenname steht. Nicht selten ein Handy am Ohr und ebenfalls mit zielstrebigem Gang. Sie geben mir irgendwie ein beruhigendes Gefühl: Es ist noch in der Mache, alles noch nicht fertig, wird schon. Und so lange hier noch was zu tun ist, ist hier noch was los. Leider keine klassische Zielgruppe für das von mir Beaufsichtigte.

12:40 Nun cruist eine Gruppe von rund einem Dutzend Grauhaarigen über den Platz. Die Winterjacken gehen bis kurz unter den Po, abgeschlossen von Kordelzügen. Stirnbänder, Fleecemützen und feste Schuhe runden das praktische Stadterkundungsoutfit ab. Ich zucke und frage mich: Kommen sie oder gehen sie weiter? Aber sie gehen vorbei und schauen nicht rein… schade! Wünsche mir Besuch. Kontakt. Ablenkung. Gespräche.

13:12 Die Mittagessensgehzeit der Büroangestellten bricht an. Wie ein Bienenschwarm strömen die Schreibtischmenschen auf den Platz, der sich „Coffee Plaza“ nennt. Eine Skulptur in Form einer riesigen Kaffeebohne steht in der Mitte. Zu allem Überfluss steht auf der Bohne „Kaffee“. Ich erinnere mich an meinen Kunstunterricht, wo wir ein halbes Jahr lang Gläser und Vasen zeichnen mussten. Ich war extrem unbegabt darin und hab auf ein Bild: „Vase“ geschrieben. Dafür gab es ’ne glatte Sechs, nicht weil man das Objekt nur mit viel Fantasie erkennen konnte, sondern – so die Begründung – weil ich „Vase“ drauf geschrieben habe.

Die Büromenschen bestechen durch leichte Lederschuhe, aufgeräumte Gesichter, die Frisur sitzt, der Schal wird in die Jacke eingeschlungen, dezent umrandete Brillen. Viele holen sich belegte Baguettes beim Bäcker, der seit ich hier bin schon zwei Mal Eröffnung gefeiert hat. Es ist ein Kommen und Gehen. Pfennigabsätze sind anscheinend wieder modern. Die Mittagstischgruppen sind nach Geschlechtern sortiert, eine Art Gender-Segregation, was vielleicht an den betriebsinternen Hierarchien liegt. Die Sekretärinnen zu den Sekretärinnen, die Anzugsmänner zu den Anzugsmännern? Nur die Rauchenden vor den Büros sind gemischt geschlechtliche Ansammlungen.

13:35 Ein Fahrradkurier wischt sich Hundescheiße von seinem Turnschuh am frisch gepflanzten Buxbaum ab. Irgendwie ein subversiver Akt. Jemand macht ein Foto von seiner Frau vor der Kaffeebohne. Gerade hatte ich zwei Besucherinnen, die jeweils etwa zehn Minuten verweilen. Ich setze eine freundliche Servicemiene auf, für Fragen jederzeit offen, aber es gibt keine Fragen.

14:20 Es kommt ein wie ein Makler ausschauender Makler rein, der Leute rumführt, die vielleicht Interesse haben, was zu mieten. Vor der Tür fotografiert ein Mann seinen Hund vor der Bohne. Drinnen ist „alles mit Garagenzugang“, höre ich, und „die Emotionen sind unglaublich wichtig“. Noch ist hier Rohbau mit Blick auf die Rohre, was mir gut gefällt, da ich frei gelegte Blicke und offene Aderlässe mag. Nach knapp zwanzig Minuten bin ich wieder allein.

15:47 Ein Touridoppeldeckerbus quert von rechts. Bisher habe ich wenige Menschen mit Stadtplänen und Rucksäcken gesehen, ist wohl anscheinend noch keine Saison. Ruhe ist eingekehrt, die Menschen sitzen wieder in ihren Bürowaben, nur die Handwerker werkeln draußen rum. Es dämmert bereits.

16:15 Ein Mann, der sich als Landschaftsarchitekt vorstellt, schwärmt von dem anliegenden Park, der noch nicht eröffnet ist, aber ganz toll sei, weil er keine Wege hat. Park ist ein wenig übertrieben, hat er doch allenfalls die Größe eines Fußballfeldes. Die Bäume sind nackt und ich frage mich, ist das wirklich etwas so Besonderes, ein Park ohne vorgegebene Wege? Ist es nicht einfach eine Wiese mit Bänken drumherum? Ein möglicher Bolzplatz ohne Bolzende, ein grüner Punkt als ausgelagerter Bildschirmschoner oder eine Naturattrappe in der ansonsten extrem dicht bebauten Hafencity?

16:53 Eine Gruppe asiatisch aussehender Menschen fotografiert nicht die Bohne, sondern den Neubau, in dem ich sitze. Ich werde von 5 Kameras gleichzeitig geknipst, und mir würde es leichter fallen, das zu schreiben, wenn es weniger klischeehaft wäre, aber Klischee happens. Einer steigt direkt über die seitliche Sperrholzabsperrung und guckt, wie die Kabel verkabelt sind. Mir gefällt’s, weil es eine Umdeutung ist und auch eine gewisse Aneignung. Ich frage mich, worüber sie wohl untereinander reden? „Bye, bye“, sagen sie und entschwinden aus meinem Blickfeld.

17:01 Ein sportlicher Herr mit Basecap um die 60 kommt rein und erzählt, dass er die Hafencity toll findet: „Was hier alles so entsteht… wirklich beeindruckend“. Er würde hier gern eine Immobilie kaufen, aber „is alles so teuer“. Bei Unilever in der Nähe hat er sich mal was angeguckt, aber „kannste nicht bezahlen“.

17:33 Vertrete mir kurz die Beine und laufe um den Block zum Kaffee holen. Gehe an dem Gebäude vorbei, in dem die erste Grundschule der Hafencity ist. Es fällt durch rosa-pinke Latten auf, die den Ort markieren und vor allem die Dachterrasse umranden, auf der sich der Spielplatz befindet. Angesichts der immensen Bodenpreise der einzige Ort zum Toben und Spielen. Male mir aus, wie eins der Kinder in 20 Jahren einen Bestseller schreiben wird: „Wir Kinder vom Dach der Hafencity“.

17:55 Zeittotschläger. Noch eine Stunde bis ich abschließen kann. Weit und breit niemand in Sicht. Gedimmtes Bürolicht um mich herum, nur noch ganz wenige sitzen am Schreibtisch. Höre ein Hörspiel. Höre Musik. Laufe auf und ab.

18:46: „Ist das die Simulation oder gilt das schon?“, singt Gustav. In Bezug auf die Hafencity, fürchte ich, gilt das schon. Und da hier kaum jemand wirklich wohnt, interessiert das wohl auch nicht die Bohne.

my little piece of privacy

Alte Rindermarkthalle – Abgeschreibert

Tja, gestern war ja Showtime: Der Bezirk hat die Gewinner der Machbarkeitsstudie des Geländes rund um die Rindermarkthalle gekürt. Eine Veranstaltung, die … – äh, nun ja – … also mir fehlen die Worte. Dafür hat das supra-magazin aber schon ganz viele passende Worte gefunden: „Es ist a Trauerspiel“ heißt die Polemik, die die Stimmung des Abends auf den Punkt bringt. Vielen Dank dafür:

Ich weiß ja gar nicht wo ich anfangen soll und wie das wohl alles endet? Ich war auf der Vorstellung der Ergebnisse des kooperativen Gutachterverfahrens zur Nutzung der Alten Rindermarkthalle, welche wir auch als Wal Mart oder Real kennen. Ich werde mit dem positiven beginnen. Ich habe neue Ausdrücke gelernt. Herr Böttcher von der CDU nannte das Areal der Alten Rinderhalle ein ,Filetstück`.

Ich möchte das gerne direkt recyclen und anmerken, dass mein persönliches verbales Filetstück am heutigen Abend nicht etwa das Filetstück war, sondern der Begriff ,attraktive‘ Durchwegung“, welcher der Vorstellung des Architekturentwurfs von André Poitiers entsprang.“ (…) Eine attraktive Durchwegung ist schließlich genau das, was unserem Viertel fehlt. Wir werden ja alle mal älter und wünschen uns vielleicht irgendwann mit einer vertrauten Person durch die Gegend zu spazieren und sagen zu können „Werner, findest du nicht auch, dass das eine furchtbar attraktive Durchwegung ist?“. (Hier den kompletten Text lesen …)

Alte Rindermarkthalle: The show must go on

„Seit 22. Mai ist der REAL St. Pauli geschlossen, das Gebäude steht fast ungenutzt leer. Seit Monaten laufen hinter verschlossenen Türen die Planungen für eine Music Hall (4.000 BesucherInnen), große Gastronomie (3.000qm) und riesige Büroflächen (über 10.000qm). Trotz aller Vorfestlegungen und Absprachen versucht der Bezirk mitsamt den Planungsbüros und Investoren immer noch so zu tun, als würde die Neunutzung des Geländes gemeinsam mit den AnwohnerInnen  ausgearbeitet und abgestimmt. Es war nie beabsichtigt, AnwohnerInnen an irgendeiner Entscheidung zu beteiligen. Am 25.11. sollen wir nun vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Schluss mit dieser Pseudo‐Beteiligung, sie ist eine einzige Farce!“ So beschreiben Anwohnende die Situation rund um das ehemalige Realgelände und laden ein, sich in die Diskussion einzubringen. Am Donnerstag, den 25. November, stellt der Bezirk die offiziellen Ergebnisse der Machbarkeitsstudie im Ballsaal des Millerntor-Stadions vor. (Treffpunkt für alle Interessierten: 18:30, EX-REAL-Haupteingang).

Der Wolf, äh Bezirk, hat neuerdings Kreide gefressen: Von einer Music Hall will man plötzlich gar nichts mehr wissen: Alles Schnee von gestern. Antje Möller (GAL) wünscht sich laut Abendblatt einen „Vertrag mit Anwohnern“, eine „Vorfestlegung“ auf bestimmte Nutzungsmodelle sei nicht gewollt. Auch Andy Grote (SPD) fordert ein Beteiligungsverfahren wie bei der Messe. Wow! Das so offensichtlich vergurkte Messegelände inklusive Verdrängung der Bambule als leuchtendes Beispiel fürs Karoviertel? Das holt die AnwohnerInnen sicherlich aus ihren Schränken, die sich – bei allen bisherigen Mitbringseln des Bezirks (überwachtes Anmeldeverfahren für Veranstaltungen, Kriminalisierung der Protestierenden durch den Verfassungschutz) – nun aber mal locker machen sollen. War ja alles nicht so gemeint und überhaupt: Wir wollen ja nur reden. Ganz ungezwungen….

Schein und Sein: Städteslogans

Vor kurzem hat das Zeitmagazin eine Deutschlandkarte mit Städteslogans erstellt – also Slogans, mit denen eine Stadt für sich wirbt. Hier mein persönliches Städteranking.

In der Kategorie laaaaaaaangweilig die Plätze 8-10:
10. Aachen (wahlweise Oldenburg, Münster, Fürth, Darmstadt) Stadt der Wissenschaft

9. Ähnlich originell die Flussmotiv-Städte:
Mühlheim an der Ruhr. Stadt am Fluss.
Duisburg am Rhein
Moers am Niederrhein.

8. Slogans aus der Wortgruppe „entdecken/erleben/Leben“:
Wolfsburg – Lust an Entdeckungen
Remscheid: Erleben, erfahren, entdecken!
Leben Sie Mainz
Heilbronn – Lebenswerte Stadt am Neckar
Bremen erleben!

Noch getoppt von:
Bremerhaven. Meer erleben

7. Auf Platz 7 (weil er so schön rätselhaft ist und auch wegen der Schreibweise): Karlsruhe – viel vor. viel dahinter.

Gefolgt von einer Reihe von Sprüchen, die mitten ins Herz gehen und so präzise sind, dass sie auch für Slipeinlagen, Autoleasing oder Fruchtjogurt werben könnten:
6. Köln ist ein Gefühl
5. Wiesbaden passt zu mir
4. Mannheim – Leben im Quadrat

In die Top 3 haben es die Slogans geschafft, die wie eine Parodie auf die jeweilige Stadt wirken und nicht nur Ortskenner/innen sprachlos machen:

3. Freude. Joy. Joie. Bonn
2. Recklinghausen attraktiver!
1a) Paderborn überzeugt!
Und meine zweite Number one:
Siegen pulsiert

Den Sonderpreis in der Kategorie Stadt für alle erhält:
Salzgitter – Kinder fördern und Familien unterstützen