Archiv der Kategorie 'nebenher'

und dann kommen die wahlen in hamburg

und man fragt sich an dieser stelle:
kann jemand der für soziale gerechtigkeit ist die spd wählen: hartz IV im Bund, Planung für Elbphilharmonie, Hafencity und Konsorten in der Stadt. Wahlkampfschwerpunkt: Elbvertiefung.
kann jemand konservatives die cdu wählen: fünf senatoren gehen. der bürgermeister wollte lieber krimis lesen, frigge hat ein verfahren am hals und so weiter und so fort.
kann jemand der für ökologie ist die grünen wählen: moorburg, moorburg, moorburg, fernwärmetrasse
kann jeman der links ist die linke wählen: hamburg ist landesparlament und die bundeslinke hat lafontaine mit seinen rassistischen hetzerein.
das wird lustig.
da bleiben dann die grauen panther

city life

gerade lese ich ein für stadtplanungsreader verhältnismäßig altes buch: es ist 1997 erschienen, heißt „city life“ und ist von heinz paetzold herausgegeben.

das buch macht spass: erst rennt man mit paetzold wie wild durch die philosophiegeschichte um zu sehen was stadt darin für eine bedeutung hatte. dann kommt man mit nadezda cacinovic nach zagreb und guckt sich einen kleinen platz an, dessen umgestaltung hin zu einer shoppingmall ähnlichen atmosphere die menschen drum herum fassungslos sein lässt und wird dann im nächsten beitrag von slavencula draculic augenzeuge eines baummassakers auf dem gleichen oder mindestens einem ähnlichen platz. bei dem die umstehenden leute die mit stiller wut bei der abholzung zusehen eine aussage über die demokratie treffen.

das erinnert mich sofort an die iga wilhelmsburg, wo 2000 bäume für die gartenbaustellung abgeholzt worden sind, und sich zwar bürgerunwillen regte, der aber den stadtplannern ziemlich egal ist. fährt man zurzeit nach wihelmsburg wundert man sich wie viele orte dort gerade unbegehbar sind, weil entweder iba oder iga den großen wurf planen. da wird die geschichte eine ganzer insel umgegraben, der alltag der bewohnerInnen massiv erschwert, alleine dadurch, dass die busse nicht mehr da halten, wo sie immer hielten und die insel hält nahezu still.

gerade bin schon beim nächsten artikel wo ken-ichi sasaki über die cartesianische stadt schreibt, also die stadt, die von einer hand geplant, von einer logik durchdrungen ist und über tokyo und das er findet, dass bildhaftigkeit einer stadt, etwas für die touristen ist und berührbarkeit, empfindbarkeit etwas für die bewohner, dass es also unterschiedliche äesthetische zugänge zu städten gibt.

ich denke dabei an düsseldorf.
als ich in der pubertät war, war ich einsam, einsam, einsam und verzweifelt. das kennen viele, das weiß ich inzwischen, weil sich hier in hamburg, der großstadt so viele sammeln, die in ihren kleinen herkunftstädten das gleiche erlebten. denn das war für mich das versprechen der großstadt, leute zu treffen die ähnlich empfinden und das hat sich eingelöst. aber einen schritt zurück. ich erinner mich,als wäre es gestern gewesen, dass ein sehr großes moment meiner verzweiflung war, dass ich nicht das gleiche aesthetische empfinden wie meine umgebung hatte.
ich konnte zu meiner tiefsten verwirrung hochhäuser zum beispiel nicht häßlich finden und föhnfrisuren nicht hübsch. eines nachmittags hielt es mich nicht mehr zu hause, ich musste raus, ich musste mich mit der welt konfontrieren, ich wollte verstehen. ich ging zu sämtlichen hochhäusern die ich kannte und versuchte ein gefühl zu ihnen zu entwickeln. ich versuchte dringend sie auch häßlich zu finden, einen wiederhall ihrer monströsität in mir klingen zu spüren. es gelang mir nicht. ich weinte. ich fuhr zum bahnhof und machte mich auf die suche nach leute, die ich gut gekleidet fand. in düsseldorf gelang mir das nicht. ich fuhr nach hause und las bücher und hörte mir anne clark an. sie sang nur für mich „suicide is an urban desease, spread by people and places like these“ und ich beruhigte mich ein bisschen.

um eine lange geschichte viel kürzer zu machen. jahre später fuhr ich nach rom, und blieb da ein jahr, einfach nur um jeden tag durch die stadt zu gehen, mit musik auf den ohren und die stadt zu geniessen. großstädte sind für die orte, an dem sich grüppchen um identitäre merkmal bilden, aber keine identität sich so sehr sicher sein kann, dass sie die einzige ist. da ich immer noch zu den verunsicherten personen gehöre, ein wahrer labsal für mich. jede strasse ein lebensnerv. jetzt les ich mal weiter in dem buch.