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bauwagenplatz zomia erklärt die lage der dinge

Wagengruppe Zomia, 22. November – Gegenstandpunkt zur aktuellen Veröffentlichungen der SPD Hamburg

Die Wagengruppe Zomia hat mit Erstaunen und Empörung die gestrige Pressemitteilung der SPD wahrgenommen – entgegen der Behauptung konstruktiver Gespräch wird hier eine mediale Diffamierung begonnen. Das Ziel ist durchsichtig: Solidarität und Unterstützung sollen vorbereitend für eine Räumung entzogen werden. Dazu ist das Argument der überheblichen, anspruchsvollen WagenbewohnerInnen, die immer neuen Forderungen stellen, gar nicht dumm.

Dem entgegnen wir: Zomia ist und war immer bereit, umzuziehen, wenn das grundlegende Bedürfnis erfüllt ist. Dieses ist nach wie vor eine langfristig geeignete Fläche für das Projekt. Das Problem, einen Wagenplatz in Hamburg-Mitte zuzulassen, ist kein juristisches, sondern ein Politisches. Selbst das heftig umstrittene Hamburger Wagengesetz lässt die Duldung von Wagenplätzen bis zu fünf Jahren zu. Bis heute gibt es keine pragmatischen Gründe, dass Zomia nach Altona umziehen sollte. Der Anschein, dass die Altonaer SPD dazu verdonnert wurde, mit schnellen Willkommensgrüßen Markus Schreiber in Mitte den Rücken freizuhalten, wird immer durchsichtiger: Statt in Ruhe abzuwarten, bis die konstruktiven Gespräche abgeschlossen sind und einem Umzug nichts im Wege steht, wird nun eine halbfertige Lösung zum golden Kalb erklärt und die Wagengruppe als störrischer Esel dargestellt. Andy Gote und Sören Schumacher sprechen von einem halben Dutzend Plätzen, die Zomia bereits abgelehnt hätte. Sie haben sich verzählt. Und verschweigen dabei auch noch gern, dass unter den „Angeboten“ solche Unverschämtheiten wie „alternative Standorte“ unter einer Schnellstraßen-Brücke, unter einer 380.000Volt Hochspannungsleitung oder auch direkt neben der Landebahn am Flughafenzaun waren.

Nun die neue Wendung: In Altona sollen wir auf eine „Zwischenlösung“, von der sich jedoch Politik und Wagengruppe schon im Vorfeld einig waren, dass die Fläche ungeeignet ist. Anschließend werde eine von Zomia akzeptierte langfristige Alternative gesucht und gefunden. Wie sollen wir jedoch davon ausgehen, dass uns die selben Szenarien wie jene der vergangenen Monate nicht in kurzer Zeit in Altona erneut passieren? Zomia ist absolut bereit für einen Umzug, denn auch wir haben kein Interesse an einer Eskalation. Wenn sich aber die verschiedenen Teile der SPD so offensichtlich die Bälle zuspielen, um Zomia dumm dastehen zu lassen, braucht es ein bißchen mehr als die vage Aussicht auf einen unbekannten Platz, um Vertrauen in eine langfristige Lösung zu entwickeln.

Warum kann Zomia nicht in Wilhelmsburg bleiben, bis ein fester Platz in Altona zugesagt werden kann? Weil Schreiber so lange nicht mehr zurükgehalten werden kann – beziehungsweise soll? Warum soll er das nicht und warum gilt laut Senat das Umzugsangebot nicht mehr nach einer Räumung? Weil eigentlich Zomia unter Druckt gesetzt werden soll, damit Schreiber sein Gesicht nicht verliert?

Doch es geht seit Jahren um mehr, als dass einzelne Politiker_innen ihr Gesicht verlieren könnten. Es geht um verfehlte Stadtpolitik in Hamburg! Damit ist Zomia ein Symptom von Vielen. Aus diesem Blickwinkel ist es fast beliebig, ob es um die Sexarbeiter_innen in St. Georg, die Wohnungslosen in St. Pauli, die Privatisierung des Bahnhofsvorplatzes oder den Abriss der Essohäuser geht. Derzeit brodelt es wieder an vielen verschiedenen Konfliktfeldern in der Stadt – mit Zomia soll einer beseitigt werden. Damit wird den Wohnungsuchenden in Hamburg eins immer schwerer vermittelbar: Das ihnen noch 15 Wohnungssuchende mehr hinzugefügt werden sollen – nur um das Ego eines einzelnen Machtpolitikers zu befriedigen. Das vor dem Hintergrund, dass schon jetzt absehbar ist, dass die SPD ihre vollmundigen Versprechen zum Wohnungsbau nicht halten wird. Wenn die Politik schon nicht in der Lage ist, eines der größten Probleme dieser Stadt zu lösen, warum legt sie dann auch noch denen, die sich alternative Lösungen suchen, Steine in den Weg?

Wir sind gerne bereit konstruktive Gespräche mit dem Bezirk Altona zu führen und eine gemeinsame Lösung zu finden. Dafür muss die SPD nur eins tun: Den von ihr geschaffenen künstlichen „Sachzwang“ auflösen und zeigen, dass sie ein ehrliches Interesse an einer einvernehmlichen Lösung hat!

Doch wir wollen den Blick über den eigenen Tellerrand nicht vergessen, es geht in dieser Auseinandersetzung um mehr als das alternative Wohnen auf einem Wagenplatz. Es geht darum, Alternativen zu schaffen; uns nicht einfach wie es der Politik gefällt hin und her schieben zu lassen, der Vertreibung aus den Bezirken entgegen zu stehen, zu zeigen: Es geht auch anders! Es geht hier um unser Recht auf Stadt! Überall werden Menschen immer prekäreren Lebensbedingungen ausgesetzt. Die Bedrohung fängt bei Wohnraum an, geht hin zum Arbeitsplatz, zur Freitzeitgestaltung und bleibt stehen bei den Lebensmittelausgaben. Durch die Prekarisierung von Wohnungs- und Arbeitsplatz werden immer mehr Existenzen kaputt gemacht. Die Vertreibung der Armen aus den Stadtteilen wird vorangetrieben. Wir sind angetreten, dem eine Alternative entgegen zu setzen. Ja, wir haben schon eine Wohnung! Was wir brauchen ist eine Fläche, auf der wir stehen können! Auch die haben wir und bis heute sprechen keine pragmatischen Gründe dafür, diese zu verlassen. Wir haben wie alle anderen Menschen dieser Stadt das Recht auf Wohnraum. Dieses Recht wird nicht erteilt, es gehört allen – unabhängig von sozialer oder nationaler Zugehörigkeit! Wenn wir uns das Recht auf Stadt nehmen, verändert sich nicht nur die Stadt: Es verändern sich unsere Bezugspunkte, Beziehungen und Begegnungen. Die Stadt gehört allen!

Nem tetszik a rendszer – I don‘t like the system

Schanze, 1980

schanze_1980

„Es gab ein paar wirklich gute Gründe, hier zu wohnen“, schreibt Thomas Henning im jüngst erschienenen Fotoband „Schanze, 1980″ (Junius Verlag, 2011). Es sind vermutlich unzählige Fotos, die er, der seine fotografischen Vorbilder bei den amerikanischen Fotografen der 1950er und 1960er Jahre hat, seit den 1970er Jahren in verschiedenen Ecken Hamburgs gemacht hat.

„Schanze, 1980″ versammelt nun eine Auswahl dieser damals noch als Kodachrome-Dias entwickelten Schnappschüsse in Form eines im Nachhinein konstruierten Spaziergangs durch das Schanzenviertel, welcher wunderbar anzuschauen ist und dabei auf angenehme Art nicht moderiert wird: Neben einer kurzen Einleitung zum Buch werden die einzelnen Bilder lediglich von Straßennamen ergänzt – weitere Erläuterungen gibt es nicht. Auch verzichten Henning (und der Verlag) zum Glück (und vermutlich gewollt) darauf, mit dem Buch einen Beitrag zur aktuellen Gentrifizierungsdebatte leisten zu wollen – à la „früher war das hier alles noch bunt und unberührt“.

Das, was er in seinen Schnappschüssen festhalten wollte, nennt Henning die „Exotik des Alltags“. Nachdem er mir bei einem Kaffee die damals noch gänzlich andere Gewerbestruktur und das Leben im Quartier beschrieben hat („Es gab Kneipen, die nur Zimmer waren, in denen die Astra-Kisten gestapelt waren: Zwei Stapel – einer für die leeren, einer für die vollen. Mehr war da nicht drin. So traf man sich halt – das war schon schräg.“), kommt Henning darauf zu sprechen, wie es zu den Fotos im Schanzenviertel gekommen ist: „Ich habe schon damals im Viertel gelebt, und meine Freundin hatte einen Hund, mit dem ich immer rausgehen musste. Manchmal bin ich ‚zigmal an einer Stelle vorbeigekommen, ohne sie zu fotografieren. Und eines Tages war dann der Moment für das Foto da. Auf den habe ich nie bewusst gewartet, sondern ich lief zufällig dort entlang.“ Anders als heute konnte man 1980 noch nicht sofort sehen, ob der Schnappschuss ein guter geworden war. Es dauerte eine ganze Woche, bis die entwickelten Dias zurückkamen – mit oftmals überrauschenden Ergebnissen.

Henning schweift mit einem distanzierten Blick durchs Viertel – eine Distanz, die nahezu an Tristesse grenzt und die die Situationen, die er ablichtet, in keinster Weise zu schönen versucht: „Ich habe nicht gewartet, dass ein Sonnenstrahl in die Szene hineinfällt und die Situation dramatisch macht oder so. Es sind ganz normale, mehr oder weniger graue Tage, an denen ich fotografiert habe. Und: Es war so leer, wie es auf den Bildern aussieht. Es ist genau so gewesen.“

Auch an den fast nachkoloriert wirkenden Motiven zeigen sich Hennings bewusste Referenzen zu seinen amerikanischen Fotografen-Vorbildern: „Bilder wie das Coverfoto, die Fassade der Roten Flora, in der damals noch ‚1000 Töpfe‘ war, sind entstanden, weil ich versucht habe, wenigstens ein bisschen amerikanisches Großstadtflair in die damals noch sehr leere Stadt zu bringen.“
Das hat er geschafft.

Thomas Henning
Schanze, 1980
Junius Verlag 2011

hamburg: kein rathauschlüßel für aktikarnevalisten

Annette Wehrmann Luftschlangentexte. CD-Release

Gängeviertel bietet dem Bauwagenplatz Zomia Unterstützung an

und positioniert sich damit auch nach Vertragsabschluss auf der stadtplanungvonobenkritischen Seite. Wir freuen uns also hiermit die solidarische Erklärung des Gängeviertels darstellen zu können:

Der einsame Cowboy

Mit dem Räumungsbescheid gegen den Wagenplatz Zomia setzt Bezirksamtschef Schreiber eine lange Reihe von erfolglosen und teils absurden Auseinandersetzungen fort. Es scheint als hätte er sich in seiner Rolle als „harter Hund“, den aber im Prinzip niemand will und braucht, verrannt.

Doch gibt er nicht auf. Verbissen verfolgt er ein aberwitziges Projekt nach dem anderen. Seien es nun der Zaun gegen die Obdachlosen in St. Pauli, die Trinker am Bahnhof oder die Kleingärtner in Wilhelmsburg. Diesmal soll also mal wieder der Wagenplatz Zomia dran glauben. Ein
Räumungsbescheid zum 3. November wurde gegen die kleine Gemeinschaft erwirkt. Das es für diesen keine sachlichen Argumente gibt scheint irrelevant. Hauptsache es herrscht Ruhe und Ordnung im kleinen Königreich.

Markus Schreiber mag seinen Sheriffstern mit Stolz tragen aber der Bezirk Mitte ist nicht der Wilde Westen und „Law and Order“ schon lange
nicht mehr angesagt. Stattdessen ist Stadtentwicklung in Kooperation möglich und nötig. Der Senat hat bereits bewiesen, dass er dazu eigentlich in der Lage ist. Wir fordern die BSU daher dazu auf die Räumung zu stoppen und Zomia auf seinem Zuhause stehen zu lassen. Der völlig veraltete Bebauungsplan muss gekippt werden, denn seien wir mal ehrlich, industrielle und gewerbliche Nutzungen sind hier aus verschiedensten Gründen hinfällig.

Warum in einer Stadt in der Tausende von Wohnungen fehlen nicht schon lange über die Vorteile der vernünftigen und logischen Alternative des Wagenlebens gesprochen wird, lässt sich wohl nur mit der Engstirnigkeit einiger politischer Entscheidungsträger erklären. Für eine Stadt die sich selbst gern als weltoffen, liberal und kreativ darstellt kann es doch nicht so schwierig sein die Menschen so leben zu lassen wie sie möchten, oder doch?

Sollte Senatorin Blankau aus unerfindlichen Gründen doch vor den Allmachtsfantasien ihres Parteikollegen einknicken werden wir nicht untätig zusehen. Für uns ist es absolut nicht einzusehen, dass es nötig sein soll mitten im Winter 15 Menschen aus ihrem Zuhause zu vertreiben, um die Profilierungssucht eines Einzelnen zu bedienen. Daher werden wir im Falle einer Räumung unseren Platz für Zomia öffnen, um ein für alle mal klarzumachen, dass Vertreibung aber auch gar nichts mit Problemlösung zu tun hat. Die nächste Runde heißt dann einfach:

Zomia goes Gängeviertel!

Gängeviertel, 05.11.2011

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zomia

access all areas

angela davis zu occupy wallstreet

zomia demo am 5.ten 11,

bambule-film am jungefernstieg gucken

kann man heute (also dienstag 1november) abend ab 20.00 machen. die bauwagenplatzlerInnen von zomia laden ein und bitten darum sitzengelegenheiten selber mitzubringen.

gender and the city

No Gender Left Behind – Kansas City, July 2011 from Rebecca Kling on Vimeo.

nachbarn kennen

Know Your Neighbor: Sultana, The Queen of the Middle East Village from wnyc culture on Vimeo.

mietenwahnsinn stoppen

dokumentation von feuerlöscher tv

topfschlagen gegen hohe mieten im video

Topfschlagen gegen hohe Mieten in Hamburg

findet morgen Donnerstag den 27ten als eine Art Warm-Up für die Demo am Samstag statt.

Am Donnerstag, den 27.10. findet in Hamburg die Welturaufführung einer Mietenwahnsinnssymphoniestatt. Dahinter verbirgt sich Topfschlagen gegen steigende Mieten und Wohnungsnot, als eine Mischung aus Kunst und politischer Aktion, die die Stadt mit Schallwellen des Protests gegen den Mietenwahnsinn durchflutet.

Topfschlagen ist eine traditionelle Aktionsform, die schon immer Teil der Protestkultur gewesen ist. In Island, Spanien oder Südamerika war sie Teil der neuen sozialen Bewegungen. Organisiert wird das Ganze über soziale Netzwerke wie Facebook und Nachbarschaftsinitiativen in den Stadtteilen.

Überall sollen die Menschen die Fenster öffnen, auf die Straße gehen, die Kochtöpfe hervorholen und drauflos trommeln, um ab 19 Uhr für 10 Minuten einen Klangteppich der Unzufriedenheit über steigende Mieten und die aktuelle Wohnraumsituation entstehen zu lassen. Das Ganze wird währenddessen mit über die Stadt verteilten Mikrofonen eingefangen und live via FSK 93,0 Mhz als Rückkopplung über Radio zurück ins Wohnzimmer getragen.

Auf Facebook haben bereits über 800 Menschen ihre Beteiligung angekündigt. An mehreren Orten in der Stadt werden sich Leute zudem treffen um kollektiv und draußen auf den Topf zu hauen.

Treffpunkte sind u.a.:

- Schanzenviertel: Schulterblatt/Ecke Susannenstraße
- Harbug: Fußgängerzone/Rathaus (18:30 Uhr)
- Uni Hamburg: Cafe Knallhart/Campus
- Altona: Lessingtunnel

Mit der Aktion soll ein akustischer Klangteppich für das Recht auf Stadt erzeugt und die Demonstration „Mietenwahnsinn stoppen – Wohnraum vergesellschaften!“ am Samstag, den 29.10. unterstützt werden. Kunst, Politik und Propaganda werden zu einer Symphonie des Mietenwahnnsinns verknüpft.

Die Klänge der Töpfe, das Scheppern und Dengeln sind Morsezeichen des Protestes im Hintergrundrauschen der Stadt, die wie eine eigene kollektive Sprache die Kritik an Wohnungsnot und Leerstand manifestieren.

Weitere Informationen zum Topfschlagen: http://topfschlagen.wordpress.com/

Mietenwahnsinn stoppen Demo am Samstag den 29.ten

um 13 Uhr an der Ubahn St.Pauli. da gehen wir hin.

Am kommenden Samstag, den 29.10. startet um 13h die grosse
Bündnisdemonstration „Mietenwahnsinn stoppen – Wohnraum
vergesellschaften“ vom Millerntorplatz.

Die geplante Veröffentlichung des Mietenspiegels im Herbst nehmen wir
zum Anlass, unsere Wut und Empörung über die Hamburger Wohnungspolitik
auf die Straße zu tragen und unsere eigenen Vorstellungen vom Wohnen und
Leben in einer Gesellschaft gleichberechtigter Menschen durchzusetzen.
Wir wollen zeigen, dass wir genug von einer Politik haben, die nur die
Interessen derjenigen vertritt, die es sich leisten können. Damit es ein
endrucksvolles Zeichen wird, ist es wichtig, dass viele Menschen kommen
und zeigen, dass Sie bereit sind gegen diese Politik aufzustehen: Kommt
zur Demonstration, bringt Freundinnen und Freunde mit und verbreitet
diese Mail weiter.

Den kompletten Aufruf und weitere Infos findet ihr immer unter
www.mietenwahnsinn.de

zomia möchte sich nicht räumen lassen.

unter dem schönen motto: zomia bleibt, schreiber geht, bambule kommt, bitten sie um unterstützung. hier der pressetext zum nachlesen:
Wagenplatzräumung ab 3.11? Nicht mit uns.

Der Wagenplatz Zomia in Hamburg-Wilhelmsburg hat am 18.10.2011 eine
Räumungsanordnung erhalten. Frist: 3.11. – mit sofortiger Vollziehbarkeit.

Der Antrag auf Einrichtung eines Wagenplatzes wurde am 14.10. mit dünnster
Begründung abgelehnt. Es gibt keine Sachargumente gegen die aktuelle
Fläche in Wilhelmsburg, es gibt keine real möglichen Alternativen. Seit
einem Jahr gibt es keine Konstruktivitäten. Der Bezirk schillert mit
Räumungsanordnungen und repressiver Prolligkeit: „Bis Ende November ist
Zomia Geschichte!“. Bürgerschaft, Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt
und Bürgermeister-Staatsräte produzieren seit einem Jahr Verwaltungsakte
und Ausschusssitzungen und glänzen mit Zurückhaltung. Ergebnis unterm
Strich: keins. Markus Schreiber darf weiter aufräumen.

Wir haben genug. Wir lassen uns nicht einfach wegräumen! Wir wollen in
Hamburg leben und im Wagen leben. Und wir lassen uns nicht aus der Stadt
vertreiben. Wir werden es nicht akzeptieren, dass es in der Stadt Hamburg
keinen Platz für uns geben soll. Hamburg muss sich jetzt entscheiden, ob
es ein weiteres Mal mit repressiver Law-and-Order-Politik gegen
Wagenplätze vorgehen will und Markus Schreibers Feldzug der Verwertung und
Vertreibung den Weg ebnen will. Viele unterschiedliche Brandherde des
Protests gegen kapitalistische Stadtentwicklung, Aufwertung und
Vertreibung in Hamburg zeigen, dass das Fass schon übergelaufen ist.

Vor einem Jahr ist die Wagengruppe Zomia (20.11.2010) mit der offenen
Besetzung eines Platzes in Wilhelmsburg angetreten um nach fast 10 Jahren
auf die unveränderte Lage hinzuweisen: Menschen in Hamburg wollen gerne
offen kollektiv im Wagen wohnen. Nach der Räumung der Wagenplätze
Hellgrundweg (2000), Schützenstraße (2002), Paciusweg (2002), Bambule
(4.11.2002), Wendebecken (2004), Parkplatz Braun und auf mindestens 18
Plätzen der Wagengruppe Dosengarten (2000) unter der Führung von Ronald
Schill / Ole von Beust und auch dort bereits Markus Schreiber klafft noch
immer eine tiefe Lücke. „Aus für alle Bauwagen“ war damals das Motto der
Rechtspopulisten für die nächsten Jahre. „Wir ziehen diese Sache jetzt
durch“, lässt sich Markus Schreiber im Oktober 2011 zitieren, und: „Wenn
nichts Unvorhersehbares geschieht, dann ist der Zomia-Bauwagenplatz Ende
November Geschichte“.

Seit Schill nix gelernt? Na dann!
Lassen wir das Unvorhergesehene geschehen!
Zomia bleibt. Es reicht.

Wir fordern von Markus Schreiber und dem Bezirk Mitte die sofortige
Rücknahme der Räumungsanordnung!

Wir fordern Olaf Scholz, Jutta Blankau als Senatorin für Stadtentwicklung
und Umwelt und die hamburgische Bürgerschaft dazu auf, öffentlich Position
zu beziehen für eine tolerante Stadt, für Wagenplätze und gegen Markus
Schreibers Feldzug der Vertreibung.

Wir fordern nach den Handlungen der letzten Jahren und Monate von der
Bezirksversammlung Mitte die Abwahl von Markus Schreiber als
Bezirksamtsleiter.

ABSOLUT DER RICHTIGE SPORT FÜR MICH!

von Annette Wehrmann in der Galerie Dorothea Schlueter in Zusammenarbeit mit dem Ort des Gegen e.V.
Skulptur, Zeichnung, Video (1988 – 1993),Texte (1990 – 2000)
Zur Ausstellung erscheint eine 7-teilige Edition der »Blumensprengungen« und zur Finissage
eine Audio-CD mit zwei Lesungen von AnnetteWehrmann

Die Eröffnung findet am Freitag, den 28. Oktober, um 17 Uhr statt.
Die Ausstellung läuft bis zum 26. November 2011
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Samstag 14 – 18 Uhr

Annette Wehrmann (* 10. Juni 1961 in Hamburg; † Mai 2010) war eine deutschsprachige Künstlerin und Autorin. Sie studierte von 1985 bis 1993 Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg und an der Städelschule Frankfurt. Die »Sprengungen« (1993), die als Aktionen im öffentlichen Raum in Hamburg stattfanden, gehören zu ihren bekanntesten Arbeiten. Annette Wehrmann nahm in den 1990er Jahren an der Politisierung der Kunst teil, interessierte sich für Formen der Selbstorganisation und betrieb diese auch. Annette Wehrmann starb während der Vorbereitungen für die Ausstellung »Hacking the City« des Essener Folkwang-Museum.

Wehrmann entwickelte eine starke singuläre, künstlerische Position zwischen Skulptur und Intervention, die kunsthistorisch an die Methoden der Konzeptkunst und Aktionskunst sowie an die Sprache der Situationistischen Internationale anknüpft. Mit ephemeren und billigen Materialien stellte sie Objekte her, die ein Spannungsverhältnis zu gesellschaftspolitischen, erkenntnistheoretischen und künstlerischen Großfragen produzieren. Sie bearbeitete das Geld, die Religion, Gehirne, das Denken, die Stadt, den Staat, das Fernsehen, die Sprache. Von Beginn an legte sich ihr Werk mit der Welt an.

Für die Bundesgartenschau 2001 in Potsdam transformierte Annette Wehrmann einen sowjetischen Militärwachturm in einen Spiegelpavillon (»Der Turm«). »Das Konzept der BUGA sah vor, dass die Geschichte dieses Ortes nicht ganz und gar verleugnet wird. Ich habe einen dieser alten Wachtürme von innen entkernt, also die Aussichtsplattform und die nach oben führende Treppe entfernt, und in eine Art Spiegelkabinett verwandelt. Die Funktion war eigentlich umgekehrt: Ganz klassisch nach Foucault, hab ich den überwachenden Blick umgekehrt. Es entstand ein illusionär unendlicher Raum, wo die Grenzen nicht mehr erkennbar sind, wo vier bzw. fünf Spiegelwände ineinander spiegeln. Das ergab einen endlosen Raum, der eigentlich nur zwei Mal zwei Meter Grundfläche hatte«.

Neben ihren Texten zur Kunst verfasste Annette Wehrmann auch Literarisches. Mit ihren Lesungen von auf Luftschlangen verfassten Texten, in denen Alltagsbeobachtungen mit philosophischen und ästhetischen Fragestellungen verknüpft werden, demonstrierte Annette Wehrmann eine Visuelle Poesie in der dritten Dimension unter den Aspekten von Kunst im sozialen Kontext. Mit dem Projekt »ORT DES GEGEN« begab sich die Künstlerin auf die Suche nach Leerstellen im weitgehend definierten öffentlichen Raum, die mit eigenen Versionen eines persönlichen Widerstands aufgeladen werden können. »Der ‘ORT DES GEGEN’ bezeichnet eine Bruchstelle für zweckfreie Negation, insbesondere für ein zweckfreies Vergehen von Zeit, materialisiert in der Zunahme/Anhäufung von Abfall. Irgendwo zwischen zum Stillstand kommen und radikaler Freisetzung. Am ‘ORT DES GEGEN’ können die Einwohner zweckfrei und sinnfrei aufeinandertreffen, es ist aber auch das Gegenteil oder gar nichts möglich. Am ‘ORT DES GEGEN’ wachsen die Halden: Halden an Zeit und Langeweile, Überfluss und Abfall« erläuterte die Künstlerin in einem Text.

Eine der bekanntesten Installationen Annette Wehrmanns ist »Aaspa«, die für die Skulptur Projekte Münster 2007 konzipiert wurde. Sie sperrte das bei Spaziergängern und Radfahrern beliebte Ufer des Aasees, um dort eine Baustelle einzurichten. In dieser Arbeit gingen Themen wie die Privatisierung des öffentlichen Raums, die private Suche nach Erholung und Glück mit den Geschichten der utopischen Architektur und der Earth-Art eine verstörende Korrespondenz ein.

DOROTHEA SCHLUETER
GALERIE, NOBISTOR 36
22767 HAMBURG
+49(0)40 31973763

In Ungarn wird das Leben auf der Straße verboten

seit Victor Orban mit einer dreiviertel Mehrheit gewählt wurde, häufen sich die schlechten Nachrichten aus Ungarn. Die heutige ist die direkte Kriminalisierung von Obdachlosigkeit. Bei Drohung von Geld- und/oder Gefängnisstrafen soll es ab Dezember verboten sein, auf der Straße zu campieren.